"Geisterwaffen" im Hauptquartier des San Francisco Police Department in San Francisco, USA. | AP

Projekt in Kalifornien Geld von der Polizei fürs Nicht-Schießen

Stand: 04.09.2021 09:49 Uhr

26 Morde, 119 Verletzte - in San Francisco hat sich die Zahl der Schusswaffen-Opfer im ersten Halbjahr mehr als verdoppelt. Ab Oktober sollen potenzielle Kriminelle monatlich bis zu 500 Dollar erhalten, wenn sie mit ihrer Waffe niemanden erschießen. Von Marcus Schuler.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Am Anfang will die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Polizei zehn sogenannte Gefährder identifizieren und ansprechen. Gemeint sind Personen, die schon häufiger im Zusammenhang mit gewalttätigen Straftaten aufgefallen sind und von denen die Behörden annehmen, dass sie eine Waffe besitzen könnten.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Kriminelle sollen sich Ziele setzen

Sheryl Davis betreut das neue Programm vonseiten der Stadt San Francisco. Im Lokalfernsehen von ABC7 sagt sie: "Von den Teilnehmenden erwarten wir, dass sie sich in Gesprächen mit dem Thema Öffentliche Sicherheit auseinandersetzen. Sie müssen sich selbst Ziele setzen. Außerdem sollen sie in ihrem Stadtteil auftreten und mit den Leuten vor Ort reden."

Die Idee, potenziellen Straftätern Geld in die Hand zu geben, um sie als eine Art Botschafter in ihren Stadtteilen zu nutzen, ist nicht ganz neu. In einem Vorort von San Francisco, in Richmond, ist das Programm bereits erfolgreich getestet worden, erzählt der dortige Initiator Devone Boggan. Das "Nachbarschaftsbüro für Sicherheit" habe man geschaffen, damit es zu weniger Schießereien kommt oder diese ganz aufhören.

Schießereien und Morde um 70 Prozent zurückgegangen

David Muhammad leitet eine gemeinnützige Organisation, die sich für eine Strafrechtsreform in den USA einsetzt. Er hat die ungewöhnliche Aktion in Richmond verfolgt und erklärt, Schießereien und Morde seien um 70 Prozent zurückgegangen.

In Richmond ist damals allerdings zu einem schweren Vorfall gekommen: Ein Teilnehmer des Programms hatte eine Person erschossen und wurde daraufhin zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Mutter des damaligen Opfers beklagte im ABC-Fernsehen, dass man Kriminellen nicht die Waffen weggenommen habe. Man habe ihnen sogar Geld gegeben, damit sie mehr Waffen kaufen könnten.

Programm könnte ausgeweitet werden

Sheryl Davis von der Stadtverwaltung in San Francisco meint dazu: Aus dem Vorfall im Nachbarort habe man gelernt. Ziel sei es, die Gesellschaft zu verändern und nicht andauernd auf das Negative zu schauen. Sollte der erste Pilotversuch im Oktober erfolgreich starten, dann will man ihn San Francisco auf maximal 30 Teilnehmende ausweiten.

Dieser Beitrag lief am 04. September 2021 um 07:24 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur.