Trump-Anhänger nach der Stürmung im Kapitol | AFP

Kapitol in Washington Halfen Abgeordnete bei Erstürmung?

Stand: 14.01.2021 10:30 Uhr

Es ist eine ungeheuerliche Behauptung: Ein rechter Aktivist gibt an, die Erstürmung des Kapitols zusammen mit mehreren Abgeordneten geplant zu haben. Lässt sich das beweisen?

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Sie rufen "1776" - das Revolutionsjahr in den USA. Ganz vorne mit dabei ist Ali Alexander aus Arizona, nicht nur als Demonstranten das Kapitol stürmen, sondern als einer der Organisatoren der "Stop the Steal"-Bewegung, die Donald Trump im Amt halten will.

Arthur Landwehr ARD-Studio Washington

"Ich habe mir die Aktion am 6. Januar ausgedacht", gibt er in einem selbst veröffentlichten Video an. "Das war, als ich mit den Abgeordneten Paul Gosar, Andy Biggs und Mo Brooks sprach."

Und diese Behauptung weitet sich zur Skandalfrage aus. Haben republikanische Abgeordnete wie diese drei dabei geholfen, dass es zum Sturm auf das Kapitol kam?

Mit Trump auf der Bühne

Mo Brooks aus Alabama zumindest hat von derselben Bühne wie Präsident Trump die Demonstranten aufgewiegelt. "Heute ist der Tag, an dem amerikanische Patrioten beginnen, Namen aufzuschreiben und in Ärsche zu treten", ruft er aus - kurz bevor Trump die Massen dann losschickte.

Aber welche Rolle hatten sie im Vorfeld? Haben sie oder andere von Trumps loyalen Abgeordneten aktiv dabei geholfen, dass die Demonstranten ins Kapitol kamen?

"Es gibt Abgeordnete, die ich gesehen habe, wie sie am 5. Januar Gruppen durch das Kapitol geführt haben, um für den nächsten Tag auszukundschaften", sagt die Abgeordnete Mickie Sherill.

Der Abgeordnete Mo Brooks spricht auf der Demo gegen den Wahlausgang in den USA am 6.1.2021 | AP

Rief von der Bühne dazu auf, seine gewählten Kollegen anzugehen: der Abgeordnete Mo Brooks Bild: AP

Abgeordnete streiten Vorwürfe ab

Von den drei von Ali Alexander genannten Abgeordneten leugnet einer, obwohl er mehrfach auf Twitter über Treffen mit Alexander berichtet hat. Die anderen sagen, sie hätten sich nichts vorzuwerfen, hätten mit dem Aufstand nichts zu tun.

Ali Alexander jedenfalls macht klar, worum es ging: "Es sollte Eigendynamik und Druck aufbauen. Am Tag selbst sollte es die Haltung der Abgeordneten ändern. Dann nämlich, wenn sie sich Massen von Demonstranten gegenübersehen", fügte er noch hinzu. Aber mit dem gewaltsamen Eindringen ins Kapitolgebäude habe er nichts zu tun.

Sollte es auch zu Gewalt kommen?

Aber jetzt geht es auch vielmehr um die Fragen, ob Abgeordnete im Vorfeld wussten, dass es diese Gewalt geben würde, und ob Abgeordnete bei der Vorbereitung geholfen haben, um das offizielle Zählen der Stimmen für Joe Biden scheitern zu lassen.

"Ich will dafür sorgen, dass sie verantwortlich gemacht werden und - falls notwendig - dafür sorgen, dass sie nicht mehr Abgeordnete sein dürfen", betont Sherill. Die Vorwürfe gegen Abgeordnete werden jetzt ebenso untersucht wie die gegen Polizisten im Kapitol, die mit den Randalierern gemeinsame Sache gemacht haben sollen.

Bilderstrecke

Die Nationalgarde im Einsatz im Kapitol in Washington

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell Hörfunk am 14. Januar 2021 um 08:50 Uhr.