Eine protestierende Menschenmenge in Kolumbiens Hauptstadt Medellín (Archivbild vom 1.05.2021). | EPA

Heftige Proteste Steuergesetz-Pläne wühlen Kolumbien auf

Stand: 03.05.2021 18:54 Uhr

Schwere Ausschreitungen erschüttern Kolumbien, seit die Regierung Steuererhöhungen ankündigte. Nun zog Präsident Duque die Pläne zurück - doch das Land kommt noch nicht zur Ruhe.

Von Ivo Marusczyk, ARD-Studio Buenos Aires

Seit Tagen erschüttern schwere Ausschreitungen Kolumbien. Zehntausende Menschen waren auf die Straßen gegangen, um gegen Steuererhöhungen zu protestieren. Die Polizei ging offenbar mit großer Härte gegen die Demonstranten vor: Vor allem aus den Metropolen Cali und Medellín, aber auch aus anderen Städten gibt es Berichte über Tote und viele Verletzte. Die Kundgebungen verliefen allerdings auch nicht friedlich: Zahlreiche Geschäfte wurden geplündert, Busse in Brand gesteckt und Bushaltestellen zertrümmert.

Ivo Marusczyk ARD-Studio Buenos Aires

Die Generalstaatsanwaltschaft bestätigte laut der Zeitung "El Tiempo", dass wegen sieben Todesfällen im Zusammenhang mit den Ausschreitungen ermittelt wird. Allein in Cali sollen fünf Menschen getötet worden sein. Ein weiterer Toter war Polizist. Dazu kommen Ermittlungen der Militärgerichtsbarkeit gegen Soldaten.

Ombudsmann beklagt brutales Vorgehen

Carlos Camargo, der Volksombudsmann, sprach im Radiosender Caracol von mehr als tausend Beschwerden. Er sagte, ihm lägen Berichte über mehr als 20 Todesfälle, 300 verletzte Zivilisten und 46 verletzte Polizisten vor.

Die Sicherheitskräfte hätten exzessiv Gewalt eingesetzt, vor allem die Sondereinheiten der Polizei sollen brutal vorgegangen sein. Er beklagte auch Angriffe auf Journalisten. Seit Sonntag ist auch die Armee auf den Straßen, um die Polizei zu verstärken.

Finanzminister tritt zurück

Präsident Iván Duque wollte Steuererhöhungen durchsetzen, um Corona-bedingte Defizite im Haushalt auszugleichen. Diese Steuererhöhungen sind inzwischen vom Tisch: Duque hat das Projekt zurückgezogen. Finanzminister Alberto Carrasquilla trat zurück.

Die Proteste hat die Regierung damit nicht gestoppt: Auch am Montag gab es wieder Kundgebungen und Proteste. Die Proteste scheinen sich sogar noch auszuweiten: Taxifahrer und Lkw-Fahrer blockieren einige Hauptstraßen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Mai 2021 um 09:14 Uhr.