Der "Jamal-Khashoggi-Way" in Washington. | Reuters

Ermordeter Journalist Washington benennt Straße nach Khashoggi

Stand: 16.06.2022 10:15 Uhr

Einen Monat vor der geplanten Saudi-Arabien-Reise von US-Präsident Biden hat Washington eine Straße nach dem ermordeten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi benannt. Die Lage der Straße ist nicht zufällig gewählt.

Die US-Hauptstadt Washington hat die Straße gegenüber der saudi-arabischen Botschaft in "Jamal-Khashoggi-Weg" umbenannt - nach dem 2018 laut US-Geheimdiensten im Auftrag des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman ermordeten Journalisten. Die Straße werde als Mahnmal dienen, "damit die Erinnerung an Jamal Khashoggi niemals erstickt werden kann", sagte der Vorsitzende des Washingtoner Stadtrats, Phil Mendelson, bei der Zeremonie.

Symbolischer Akt

Die Umbenennung der Straße fand einen Tag nach der Ankündigung der Reise des US-Präsidenten Joe Biden nach Saudi-Arabien Mitte Juli statt. Sie ist allerdings eher symbolischer Natur. Denn statt auf einem in Washington üblichen grünen Straßenschild steht Jamal Khashoggis Name auf einem braunen. Damit wird sich die Postadresse der saudi-arabischen Botschaft nicht verändern. Das Schild soll aber als Mahnmal dauerhaft stehen bleiben.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Stadtrat von Washington Straßennamen für internationalen Protest einsetzt. So befindet sich die russische Botschaft an der "Boris Nemzow Plaza", benannt nach dem Oppositionspolitiker, der 2015 in Sichtweite des Kremls getötet wurde.

"Mord an unserem Freund"

Sarah Leah Whitson von Dawn, einer proarabischen Organisation zur Förderung der Demokratie, die Khashoggi vor seinem Tod gegründet hatte, wertete die Aktion als Mahnung an die saudi-arabische Führung in Riad. Khashoggi habe sterben müssen, "weil er es gewagt hat, sich der Tyrannei von Mohammed bin Salman zu widersetzen".

Wir haben die Absicht, die Leute, die sich hinter diesen Türen verstecken, daran zu erinnern, dass wir sie für den Mord an unserem Freund verantwortlich machen.

Aber auch an die US-Regierung richtete Whitson kritische Worte: So warf sie der Regierung um Präsident Biden mit Blick auf dessen Saudi-Arabien-Reise eine "schamlose Kapitulation" vor.

Auch Tawakkol Karman, eine jemenitische Aktivistin und Friedensnobelpreisträgerin von 2011, kritisierte bei der Zeremonie, der bevorstehende Besuch des Präsidenten in Saudi-Arabien bedeute, "dass Biden sein Engagement für die Verteidigung der Menschenrechte auf der ganzen Welt aufgegeben hat".

Energiekrise verändert Situation

Tatsächlich hat sich Bidens Handeln in Bezug auf Saudi-Arabien in den vergangenen Monaten verändert: Nach seiner Amtsübernahme veröffentlichte die Biden-Regierung einen Geheimdienstbericht, wonach der saudi-arabische Kronprinz und De-facto-Herrscher Khashoggis Ermordung im Jahr 2018 abgesegnet habe. Riad weist dies zurück und versichert, die saudi-arabischen Täter hätten auf eigene Faust gehandelt. Angesichts der weltweiten Energiekrise wegen des Ukraine-Kriegs bemühte US-Präsident Biden sich zuletzt um verbesserte Beziehungen zu dem ölreichen Staat.

Khashoggi in Istanbuler Konsulat ermordet

Khashoggi war am 2. Oktober 2018 ins saudische Konsulat in Istanbul gegangen, um Dokumente für die Heirat mit seiner türkischen Verlobten abzuholen. Er kam nie wieder heraus. Nach längerem Dementi räumte die Führung in Riad unter internationalem Druck ein, dass Khashoggi im Konsulat bei einem missglückten Versuch, ihn in seine Heimat zurückzubringen, getötet worden sei.

Die CIA kam später zum Schluss, dass er auf Befehl des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman ermordet und zerstückelt worden sei. Khashoggi hatte im US-Exil als Kolumnist für die "Washington Post" gearbeitet und kritische Texte über die saudische Königsfamilie geschrieben.