Ein zerstörtes Haus im US-Bundesstaat Kentucky | EPA

Tornados in den USA Mindestens 74 Tote in Kentucky

Stand: 13.12.2021 23:59 Uhr

Verheerende Tornados in den USA haben allein im Bundesstaat Kentucky mindestens 74 Menschen das Leben gekostet. Das jüngste Todesopfer war fünf Monate alt. Präsident Biden reist Mitte der Woche ins Katastrophengebiet.

Nach den verheerenden Tornados im US-Bundesstaat Kentucky ist die Opferzahl auf mindestens 74 angestiegen. Es dürfte aber noch mehr Todesopfer geben, warnte Gouverneur Andy Beshear. Es würden noch mehr als 100 Menschen in Kentucky vermisst. Am Morgen hatten die Behörden noch von 60 Toten gesprochen. Die bisher identifizierten Toten seien zwischen fünf Monaten und 86 Jahren alt gewesen. Es handele sich um "die schlimmsten Tornadoschäden, die man sich vorstellen kann", berichtete der sichtlich erschütterte Gouverneur Beshear.

Die Tornados hatten in der Nacht zu Samstag schwere Zerstörungen angerichtet. Nach Angaben Beshears schlug ein Tornado über eine Strecke von 365 Kilometer eine Schneise der Verwüstung, etwa 320 Kilometer davon in Kentucky. Zehntausende Haushalte seien noch ohne Strom. Es gebe einen "Berg von Trümmern". Die Überlebenden hätten zum Teil alles verloren, sagte der Gouverneur weiter. Der Wiederaufbau werde Jahre dauern.

Acht Tote in Kerzenfabrik

Eine Kerzenfabrik im Ort Mayfield war dem Erdboden gleichgemacht worden. Dort wurde wegen der Weihnachtszeit rund um die Uhr gearbeitet - die Zahl der Toten könnte aber geringer sein als zunächst befürchtet. In der Fabrik hätten nach Angaben des Unternehmens 110 Menschen gearbeitet, sagte Gouverneur Beshear. Bislang gebe es dort acht bestätigte Todesfälle. Die Behörden waren zunächst von Dutzenden Toten allein in der Fabrik ausgegangen.

Kyanna Parsons-Perez ist nach Informationen des Senders CNN eine derjenigen, die aus den Trümmern der Kerzenfabrik geborgen werden konnten. Sie habe während des Tornados in der Fabrik gearbeitet. Plötzlich sei das Gebäude über ihr und ihren Kollegen eingestürzt. "Es geschah so schnell", sagte sie dem Sender. "Wir wurden hin und her geschaukelt - und dann fiel alles auf uns hinunter." Sie sei am Kopf getroffen und ihre Beine seien eingeklemmt worden.

Irgendwann habe Parsons-Perez angefangen, sich im Dunkeln zu filmen und über Facebook live zu senden. Sie habe um Hilfe gebeten und stets versucht, ihre Kollegen zu beruhigen. Rettungskräfte berichteten ihr später, sie habe unter rund 1,5 Meter Trümmern gelegen.

Mehr als 30 Tornados in der Region

Auch in anderen Bundesstaaten kosteten Stürme mehreren Menschen das Leben. Kentucky wurde aber mit Abstand am härtesten getroffen. Medien berichteten von mehr als 30 Tornados in Kentucky, Mississippi, Missouri, Arkansas, Illinois und Tennessee. Bis das volle Ausmaß klar wird, dürften Tage vergehen.

US-Präsident Joe Biden kündigte an, das Katastrophengebiet am Mittwoch besuchen zu wollen und betonte, dass seine Regierung alles tun werde, um die Staaten zu unterstützen. Viele der betroffen Orte seien eher einkommensschwach, sagte er. Die Menschen dort könnten nicht mal eben zu ihren Verwandten in einen anderen Bundesstaat fliegen. "Die Verwüstung ist überwältigend. Ich meine, es steht nichts mehr." Wohnhäuser oder Geschäfte seien einfach "ausgelöscht worden".

Steinmeier kondoliert Biden

Für die USA ist es die jüngste einer ganzen Reihe von Naturkatastrophen. Allein in diesem Jahr hatte es zuvor schon zahlreiche Stürme, Überflutungen und Waldbrände gegeben. Präsident Biden sieht in der Häufung und Heftigkeit der Katastrophen eine Folge des Klimawandels, dessen Bekämpfung er zu einer seiner Top-Prioritäten gemacht hat.

Für Deutschland kondolierte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dem US-Präsidenten. Mit Erschrecken habe er von den verheerenden Auswirkungen der Tornados erfahren, schrieb Steinmeier an Biden. "Das Ausmaß an Tod und Zerstörung erfüllt mich mit Trauer."

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 13. Dezember 2021 um 00:30 Uhr.