Passanten vor einem zerstörten Hotel in Les Cayes in Haiti | AP

Nach schwerem Erdbeben Fast 1300 Tote in Haiti

Stand: 16.08.2021 07:14 Uhr

Nach dem Erdbeben der Stärke 7,2 in Haiti steigt die Zahl der Opfer. Inzwischen geht der Zivilschutz von fast 1300 Toten aus. Wohnhäuser, Schulen, Krankenhäuser und Kirchen waren in dem Karibikstaat eingestürzt.

Nach dem schweren Erdbeben in Haiti ist die Zahl der Todesopfer auf fast 1300 gestiegen. Inzwischen seien 1297 Leichen geborgen worden, teilte der Zivilschutz mit. Die Zahl der Menschen, die bei dem Beben am Samstag verletzt wurden, stieg demnach von mindestens 2800 auf mehr als 5700 an.

Die Erschütterungen der Stärke 7,2 richteten schwere Schäden in dem Land an. Unzählige Gebäude stürzten ein, darunter ein mehrstöckiges Hotel in der Stadt Les Cayes. Unterdessen rückt der Tropensturm "Grace" auf den bitterarmen Karibikstaat zu. Er soll am Montagabend mit heftigen Regenfällen auf Land treffen und dürfte die Rettungs- und Sucharbeiten zusätzlich erschweren.

Der Direktor der Katastrophenschutzbehörde, Jerry Chandler, sagte, einige Orte seien komplett dem Erdboden gleichgemacht worden, Krankenhäuser könnten die vielen Verletzten gar nicht mehr aufnehmen, vor allem in der Küstenstadt Les Cayes, in der rund 126.000 Menschen leben. "Das Wichtigste ist jetzt, so viele Überlebende wie möglich aus den Trümmern zu ziehen." Chandler sagte, die Not sei gewaltig. Das Internationale Rote Kreuz sei bereits im Einsatz, um für die Verletzten zu sorgen.

USA bieten Hilfe an - Auswärtiges Amt warnt

US-Präsident Joe Biden kündigte Hilfe für die Opfer der Katastrophe an: "Die Vereinigten Staaten bleiben dem haitianischen Volk ein enger und beständiger Freund, und wir werden auch nach dieser Tragödie da sein", hieß es in einer Mitteilung des US-Präsidenten. "Wir sprechen all jenen unser tiefstes Beileid aus, die einen geliebten Menschen verloren haben oder deren Häuser und Geschäfte zerstört wurden", so Biden.

Das Auswärtige Amt rief dazu auf, das Erdbebengebiet zu meiden: "Es muss mit zahlreichen Toten und Verletzten sowie starken Schäden an Gebäuden und Infrastruktur gerechnet werden. Es kommt weiterhin zu starken Nachbeben." Reisende sollten die betroffene Gegend meiden, hieß es in den Reise- und Sicherheitshinweisen. Von Reisen nach Haiti wird schon seit längerem dringend abgeraten.

Die Karte zeigt Haiti mit Saint-Louis-du-Sud und dem Epizentrum des Erdbebens

Schwierige Kommunikation

Das Epizentrum des Bebens der Stärke 7,2 lag zwölf Kilometer vor der Gemeinde Saint-Luis-du-Sud, vor allem die südliche Halbinsel von Haiti war von dem Beben betroffen. Die Erschütterungen waren in ganz Haiti bis nach Jamaika und die Dominikanische Republik zu spüren.

Auf zahlreichen Handyvideos ist zu sehen, wie die Menschen in Panik auf die Straßen laufen, unzählige eingestürzte Gebäude sind zu erkennen. Das gesamte Ausmaß der Schäden ist derzeit nicht absehbar - Rettungskräfte sprechen von einer schwierigen Kommunikation mit den betroffenen Regionen.

Lehren aus dem Beben von 2010

Die Regierung will nun die Fehler von 2010 vermeiden: Bei dem damaligen Erdbeben, das vor allem die Hauptstadt Port-au-Prince getroffen hatte, waren mehr als 220.000 Menschen ums Leben gekommen. Nun sollen die Menschen, die nicht mehr zurück in ihre Häuser können, nicht in Sammellagern untergebracht werden, sondern möglichst nah an ihrem Wohnort oder bei Familienangehörigen.

In Haiti gibt es kaum funktionierende staatliche Strukturen, um schnelle Hilfe zu leisten. Der arme Karibikstaat ist in einer schweren politischen Krise. Am 7. Juli war Präsident Jovenel Moise ermordet worden, das Land wird von einer Übergangsregierung geführt. Kriminelle Banden sorgen zusätzlich für ein Klima der Unsicherheit. Etwa 4,4 Millionen der rund elf Millionen Haitianerinnen und Haitianer leben unter der Armutsgrenze.

Die schwierige politische Situation könnte auch die Arbeit von Helfern gefährden. "Ich denke, mehr als die schwachen Institutionen sind es die schlechte Infrastruktur und der Mangel an Ressourcen, der sich wirklich auf die Fähigkeit des Landes auswirkt, auf die Situation zu reagieren", sagt Annalisa Lombardo von der Welthungerhilfe.

Haiti wird immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht. Nach dem verherrenden Erdbeben im Januar 2010 töte ein Hurrikan im Jahr 2016 Hunderte Menschen. Bereits am Montag oder Dienstag dürfte nun der Tropensturm "Grace" Haiti erreichen, was die aktuelle Situation noch einmal verschlechtern könnte.

Mit Informationen von Anna Hanke, ARD-Studio Mexiko-Stadt

Über dieses Thema berichtete am 16. August 2021 die tagesschau um 05:30 Uhr und Inforadio um 06:22 Uhr.