Der kanadische Premier Trudeau. | dpa

Erste Prognosen Trudeaus Liberale gewinnen Kanada-Wahl

Stand: 21.09.2021 05:38 Uhr

Laut ersten Prognosen kanadischer Fernsehsender haben die Liberalen von Premier Trudeau die vorgezogene Wahl gewonnen. Sein Ziel einer absoluten Mehrheit verpasste er allerdings offenbar.

Der öffentlich-rechtliche kanadische Fernsehsender wagte überraschend früh eine Prognose. Bereits wenige Minuten nach Schließung der letzten Wahllokale an der Westküste Kanadas um vier Uhr deutscher Zeit sagte der Sender eine Mehrheit für den amtierenden Premierminister Trudeau voraus. Auch andere Medien zogen inzwischen nach.

Die Regierungspartei errang nach Prognosen etwa 156 Mandate und ließ die Konservativen von Kontrahent Erin O’Toole mit ungefähr 122 Sitzen hinter sich. Im flächenmäßig zweitgrößten Land der Erde ändert sich damit gegenüber den Wahlen von 2019 kaum etwas - für eine absolute Mehrheit wären 170 Mandate notwendig gewesen.

Trudeau ist damit auch künftig auf die Hilfe anderer Parteien angewiesen. Die Mitte-Links-Partei der Neuen Demokraten (NDP) kam in den Prognosen auf ungefähr 29 Sitze, genauso wie auch die Regionalpartei aus Quebec, die Grünen erreichten demnach voraussichtlich zwei Mandate. 

Kanadier fanden Neuwahlen unnötig

Trudeau, der Kanada seit 2015 regiert, hatte Mitte August Neuwahlen ausgerufen und das damit begründet, ein klares Mandat für seine Corona-Politik zu brauchen. Allerdings hielten das bis zuletzt zwei Drittel der Kanadier für unnötig.

Trudeaus Vorsprung vor seinem konservativen Herausforderer O’Toole war in den Wochen dahingeschmolzen. Die Spitzenkandidaten der anderen Parteien hatten Trudeau vorgeworden, trotz einer vierten Welle der Pandemie und einer relativ stabilen Minderheitsregierung nach der absoluten Mehrheit zu greifen - und damit Zeit im Kampf gegen Corona zu verschwenden und die Gesundheit der Wähler zu gefährden.

Wahlsystem kommt Liberalen entgegen

Generell kommt Trudeaus Liberalen das Wahlsystem in Kanada eher zugute. Die Mandate in den 338 Wahlbezirken werden nach dem Prinzip der absoluten Mehrheit verteilt. Entscheidend sind lediglich einige Dutzend umkämpfte Bezirke vor allem in den Vorstädten der Großstädte Toronto, Montreal und Vancouver - ein wenig vergleichbar mit den "Swing States" in den USA.

Traditionell gibt es in Kanada keine Koalitionen, sondern entweder absolute Mehrheiten oder Minderheitsregierungen mit durchschnittlich zweijähriger Halbwertszeit. Die letzte Abstimmung auf Bundesebene im Herbst 2019 brachte den Liberalen 157 Sitze, die Konservativen errangen 121.

Die Liberalen haben im politisch moderaten Kanada historisch gesehen am häufigsten Regierungen gestellt. In diesem Wahlkampf dominierten neben der Klimakrise vor allem innenpolitische Themen wie die steigenden Lebenshaltungskosten und die Gesundheitsversorgung.

Mit Informationen von Peter Mücke, ARD-Studio New York