Der Polizeichef von Regina, Bray, und eine Mitarbeiterin bei einer Pressekonferenz in der kanadischen Provinz Saskatchewan. | AP

Nach Messerangriffen in Kanada Tatverdächtiger tot aufgefunden

Stand: 06.09.2022 03:29 Uhr

Nach den blutigen Messerangriffen mit zehn Toten in Kanada sucht die Polizei weiter nach einem der beiden Tatverdächtigen. Sein Bruder wurde inzwischen tot in einem Indigenen-Reservat entdeckt.

Einen Tag nach den Messerangriffen mit zehn Todesopfern im ländlichen Kanada hat die Polizei einen der beiden verdächtigen Brüder tot aufgefunden. "Er hatte sichtbare Wunden, von denen wir im Moment nicht glauben, dass er sie sich selbst zugefügt hat", sagte die leitende Ermittlerin Rhonda Blackmore in Regina, der Hauptstadt der Provinz Saskatchewan.

Die Leiche des 31-Jährigen habe in hohem Gras im Indigenen-Reservat James Smith Cree Nation gelegen, in der Nähe eines Hauses, in dem die Polizei ermittelte. Der Verbleib des zweiten Verdächtigen, seines ein Jahr jüngeren Bruders, ist laut Polizei ungeklärt.

Die Ermittler gehen davon aus, dass er verletzt ist und medizinische Hilfe suchen könnte. Sie wollten weder bestätigen noch ausschließen, dass er am Tod des älteren Bruders beteiligt war.

Motiv weiter unklar

Zum Motiv für die Angriffe machte die Polizei weiter keine Angaben. Der Chef der Vereinigung der Indigenen Nationen Kanadas, Bobby Cameron, geht aber von einem Zusammenhang mit Drogenkriminalität aus. „Das ist die Verwüstung, der wir uns gegenübersehen, wenn illegale Drogen in unsere Gemeinden eindringen“, sagte er. Die Lage in den Reservaten müsse sich verbessern.

"Längeres Vorstrafenregister"

Die Ermittler vermuten, dass die beiden Brüder für die Bluttaten an zwei Orten in Saskatchewan - im Reservat James Smith Cree Nation und im Dorf Weldon - verantwortlich sind. Dabei wurden zehn Opfer getötet und 18 verletzt.

Dem jüngeren Bruder werden auf Basis des Ermittlungsstands vom Montagnachmittag Mord in drei Fällen und versuchter Mord in einem weiteren Fall vorgeworfen. Zusätzliche Anklagepunkte seien wahrscheinlich, erklärte die Polizei. Der Verdächtige habe ein "längeres Vorstrafenregister", sagte Blackmore.

Nach dem Mann wird verstärkt auch in Regina gesucht, das rund 300 Kilometer südlich des Reservats liegt. Am Sonntag hatte die Polizei die Fahndung in drei Bundesstaaten im Zentrum Kanadas aufgenommen. Saskatchewan, Alberta und Manitoba sind von der Fläche her fünf Mal so groß wie Deutschland.