Papst Franziskus spricht am Fenster seines Arbeitszimmers mit Blick auf den Petersplatz. | dpa

Massengrab in Kanada Papst umgeht Entschuldigung für tote Kinder

Stand: 06.06.2021 16:44 Uhr

Papst Franziskus hat der getöteten indigenen Kinder in Kanada gedacht. Eine Entschuldigung vermied der Papst jedoch. Die fordern unter anderem Hinterbliebene der 215 Opfer.

Papst Franziskus hat der auf dem Gelände einer ehemaligen katholischen Schule in Kanada entdeckten 215 toten Kinder gedacht, eine Entschuldigung aber vermieden. Er fühle sich den Opfern nahe, sagte der Papst auf dem Petersplatz in Rom. Politik und Kirche müssten diese traurige Geschichte aufklären, damit Heilung möglich werde. Die von Premierminister Justin Trudeau verlangte Bitte um Vergebung vermied der Papst jedoch. "Ich habe mit Schrecken die Nachrichten aus Kanada empfangen", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche nach dem traditionellen Angelus-Gebet.

"Diese schwierigen Augenblicke sind ein starker Aufruf, sich vom kolonisierenden Modell und von der heutigen ideologischen Kolonisierung zu distanzieren und Seite an Seite zu gehen im Dialog, im Respekt und in der Anerkennung der kulturellen Rechte und Werte", sagte Franziskus.

Kanada und Indigene fordern Entschuldigung

Kanadas Premierminister Justin Trudeau hatte die katholische Kirche zuvor dazu aufgerufen, für ihre Rolle als Betreiberin dieser Schulen Verantwortung zu übernehmen. Rosanne Casimir, Oberhaupt der Tk'emlups te Secwepemc First Nation in der westlichen Provinz British Columbia, forderte ebenfalls eine öffentliche Entschuldigung des Vatikans. "Wir wollen eine Entschuldigung - eine öffentliche Entschuldigung, nicht nur für uns, sondern für den Rest der Welt", zitierte sie die kanadische Zeitung "The Globe and Mail". "Wir machen die katholische Kirche dafür verantwortlich."

UN-Menschenrechtsexperten forderten in einer Stellungnahme Kanadas Regierung und den Vatikan auf, umfassende Untersuchungen zu den Todesumständen der Kinder und zu etwaigen Verantwortlichen zu veranlassen. Die Experten sprachen von "abscheulichen Verbrechen" und Menschenrechtsverstößen in den Internaten. Es wäre "schlicht unvorstellbar", wenn der kanadische Staat und der Vatikan die Verantwortlichen ungeschoren davonkommen ließen und sich nicht um eine umfassende Entschädigung kümmerten.

Ermittlungen seien an allen derartigen Einrichtungen in Kanada nötig, um Folter- und Missbrauchsvorwürfen nachzugehen und womöglich noch lebende Übeltäter zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Massengrab in der Nähe der Stadt Kamloops in British Columbia war Ende Mai entdeckt worden. Es fand sich auf dem Gelände der Kamloops Residential School, einer Art Umerziehungslager für Kinder kanadischer Ureinwohner, das zwischen 1890 und 1978 in Betrieb gewesen war. Wann und woran die Kinder starben, ist noch nicht bekannt. Einige von ihnen wurden nur drei Jahre alt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Juni 2021 um 17:00 Uhr.