Protestierende Lastwagenfahrer und Gegendemonstranten in Ottawa | REUTERS

Corona-Proteste in Kanada Rufe nach Räumung auch in Ottawa

Stand: 14.02.2022 09:11 Uhr

Die Trucker-Blockade auf Kanadas wichtigster Grenzbrücke ist beendet - in der Hauptstadt Ottawa geht der Protest weiter. Die Anwohner sind davon nur noch genervt. Die Polizei müsse durchgreifen, forderte auch ein Minister.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Der Verkehr zwischen Kanada und der US-Metropole Detroit soll ganz schnell wieder über die Ambassador-Brücke fließen. Nur müsse erst noch für ein wenig Sicherheit gesorgt werden, damit sich das, was passiert ist, nicht wiederhole, so die Polizeichefin der kanadischen Grenzstadt Windsor, Pamela Mizuno.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

"Wir wissen, das hatte hier eine große Wirkung - im Land wie international. Wir mussten gleichzeitig die Sicherheit der Öffentlichkeit und unserer Polizisten gewährleisten und die öffentliche Ordnung herstellen", sagte sie. Die Polizei wollte das friedlich tun.

Blockade setzte der Autobranche zu

Ein paar Verhaftungen, ein paar abgeschleppte Wagen. Doch es gab weder Verletzte noch Ausschreitungen. Der Bürgermeister des Grenzorts triumphiert. Die nationale Wirtschaftskrise an der Ambassador-Brücke sei zu Ende, sagt Drew Dilkens. Über die Brücke werden 25 Prozent des Handels zwischen den Wirtschaftspartnern USA und Kanada abgewickelt. Die Blockade hat vor allem der Autobranche schwer zugesetzt. Auch US-Präsident Joe Biden zeigte sich erleichtert über die Öffnung.

Dauerbeschallung durch Truckhupen

Der Ministerpräsident der Provinz Ontario, Doug Ford, rief auf Twitter auch die Demonstranten in der Hauptstadt Ottawa auf, sich jetzt auch zurückzuziehen. Dort hin waren am Wochenende wieder 4000 Menschen aus ganz Kanada gekommen, um die Trucker-Proteste vor dem Parlament zu unterstützen. Sie tanzten, sie feierten und sie ließen sich gegenseitig in ihrem selbsternannten Kampf für die Freiheit feiern: Der Freiheit nämlich, sich nicht gegen Corona impfen zu lassen. Und keine Vorschriften mehr zu haben.

Etwas, das die Mehrheit der Kanadier ablehnt: 80 Prozent der Menschen dort sind voll geimpft. Die Anwohner in Ottawa hingegen sehnen sich nach Ruhe. Sie mögen keine Dauerbeschallung durch Truckhupen, Musik und Feuerwerkskörper mehr. Ein Taxifahrer klagt, niemand fahre mehr in die Stadt. So etwas habe er im friedlichen Kanada noch nie erlebt.

Der Wall der Monstertrucks wirke auf viele Menschen bedrohlich. "Die sind größer als Panzer. Wie kannst du gegen sie kämpfen, wenn sie mitten auf der Straße im Zentrum stehen", sagt er. Vielen hätten die Räder abmontiert, damit sie sich nicht abschleppen lassen. "Niemand anderes kann das packen als die Armee."

"Räumung könnte eine Initialzündung sein"

Doch den Einsatz des Militärs sieht Premierminister Justin Trudeau derzeit nicht als Mittel. Täglich beraten seine Mitarbeiter und die verschiedenen Polizeistellen über die Lage. Nun müssten sie endlich handeln, forderte Kanadas Minister für Öffentliche Sicherheit, Bill Blair, im TV-Sender CBC: "Genug ist genug. Das muss beendet werden. Die Situation in Ottawa ist inakzeptabel und nicht hinnehmbar."

Die Polizei müsse die Ordnung in der Stadt wiederherstellen. Die erfolgreiche Räumung der Ambassador-Brücke könnte eine Initialzündung sein. "Wir haben an der Ambassador-Brücke gesehen, dass die Polizei damit begonnen hat, einzugreifen. Sie machen den Job, den sie machen müssen."

Und das müsse sie nun auch an den anderen Orten tun. Doch nicht nur Blair weiß: So einfach wie auf einer abgelegenen Brücke ist eine Räumaktion mitten in einem bevölkerten Stadtzentrum nicht.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Februar 2022 um 10:05 Uhr.