Ein Strommast brennt in den Straßen von Greenville, Kalifornien.  | AP

Waldbrände in Kalifornien "Flieht um euer Leben"

Stand: 06.08.2021 08:35 Uhr

Dürre und Hitze fordern ihren Tribut: Seit Wochen sind viele Menschen an der US-Westküste in Alarmbereitschaft, weil die Brände zu nahe kommen. Nun hat das Feuer einen ganzen Ort vernichtet.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

"Flieht um euer Leben": Diese drastische Warnung gab der zuständige Sheriff an die Bürger in Greenville heraus. Die Flammen des sogenannten Dixie-Feuers überrollten das 800-Seelen-Dorf, das etwa sechs Autostunden nördlich von San Francisco entfernt liegt. 

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

"Wir haben heute Nacht Greenville verloren" sagt der Kongressabgeordnete Doug La Malfa mit tränenerfüllter Stimme. Hinter ihm sieht man eine dicke Rauchwolke aufsteigen. Die Einsatzkräfte konnten nicht verhindern, dass der komplette historische Stadtkern des Örtchens in Flammen aufging. Manche Gebäude stammten aus der Zeit des Goldrauschs aus dem 19. Jahrhundert. 

Keine Verletzten, hoher Sachschaden

Verletzt wurde niemand, der Sachschaden ist allerdings immens, meint der örtliche Feuerwehrchef Sergio Mora gegenüber dem Lokalfernsehen, während er die abgebrannte Feuerwehrstation besucht. "Es ist erschütternd, schwer in Worte zu fassen", sagt er. "Das Postamt ist weg, die Bank, die Bücherei, das Feuerwehrhaus, ein paar Kirchen, Häuser von vielen Menschen, ihre Existenz."

Löschflugzeuge sind im Einsatz, Tausende Feuerwehrleute kämpfen seit Mitte Juli gegen die Flammen. Waldbrände sind zwar in Kalifornien üblich, doch eigentlich erst im Herbst. Klimaexperten sehen einen Zusammenhang mit der Erderwärmung. In Kalifornien ist es ungewöhnlich heiß und trocken. 

Deutlich mehr Vernichtung als im Rekordjahr

Bislang haben die Brände dreimal mehr Fläche vernichtet als im Vorjahr, das eigentlich als Rekordjahr für Waldbrände in Kalifornien galt. Die Ursachen für die Brände sind unterschiedlich, beim "Dixie"-Feuer geht man davon aus, dass wohl ein auf eine Stromleitung umgekippter Baum verantwortlich ist. Die meisten Stromleitungen in Kalifornien verlaufen oberirdisch.

Der republikanische Politiker La Malfa rief die Regierung in Washington auf, zu helfen und keine Zeit zu verlieren: "Wir müsse den politischen Nonsens jetzt vergessen, die Rivalitäten untereinander - wir müssen das besser hinbekommen."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. August 2021 um 12:05 Uhr.