Kevin Paffrath | AFP

"Recall" in Kalifornien Wie Kevin aus Deutschland Gouverneur werden will

Stand: 11.09.2021 11:25 Uhr

Sollten sich die Kalifornier am Dienstag dafür aussprechen, Amtsinhaber Newsom abzuberufen, könnte ihn ein Deutscher als Gouverneur beerben. Für den unwahrscheinlichen Fall hat der 29-jährige Kevin Paffrath Großes vor.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

"Wir sind die fünftgrößte Wirtschaft auf der Welt. Deutschland ist Nummer 4. Wir sollten einen Gouverneur haben, der Deutschland schlagen will, damit Kalifornien Nummer 4 ist", sagt Kevin Paffrath mit einem Lachen. Seine Eltern sind vor 28 Jahren aus Wuppertal in die USA ausgewandert. Da war der Ex-Immobilienmakler und heutige YouTube-Star zarte 13 Monate alt. Längst ist er US-Bürger, die deutsche Staatsbürgerschaft hat er aber behalten. "Ich versuche mit meinen Kindern Deutsch zu sprechen. Mein Deutsch ist nicht perfekt. Ich bringe ihnen aber Worte wie 'Buch', 'Hund' oder 'Auto' bei."

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Paffrath ist der einzige Demokrat, der beim "Recall" - also dem "Rückruf" des Gouverneurs - gegen Gavin Newsom antritt, der ebenfalls der Demokratischen Partei angehört. In Umfragen lag er vor ein paar Tagen zeitweise nahe 30 Prozent. Ein Grund: Die Kalifornier, die mit dem aalglatt wirkenden Amtsinhaber Newsom hadern, schrecken vor den erzkonservativen Kandidaten der Republikaner zurück. Paffrath hat sich da als dynamische Alternative geschickt in Position gebracht: "Während des Lockdowns ist Gavin Newsom ins Pilates-Studio gegangen. Seine Kinder gehen auf eine Privatschule, während alle anderen ihre Kinder zuhause behalten. Dadurch hat er viel Vertrauen verspielt", sagt Paffrath.

Der Wahlkampf-"Crasher"

Der Wahlkampf des 29-Jährigen ist auf Social-Media-Kanäle und kleinere Auftritte beschränkt. Er hat ein Budget von nur einer dreiviertel Million Dollar. Newsom sollen gut 80 Millionen zur Verfügung stehen. "Kalifornien muss wieder toll sein - und nicht pleite. Menschen mit Geld verlassen unseren Staat. Sie ziehen nach Texas, Florida oder Nevada", argumentiert der YouTuber.

Paffrath ist in den vergangenen Wochen mit dem Privatflugzeug von Stadt zu Stadt geflogen, hat kleine Kundgebungen abgehalten und öfter mal die Wahlkampfauftritte des Amtsinhabers gecrasht. "Ich will unsere Schulen verbessern", verspricht der politische Youngster. "Wir müssen die Trockenheit und die Waldbrände in den Griff bekommen. Darum kümmert sich unser Gouverneur leider nicht - er interessiert sich mehr für kleinere Projekte."

Newsoms Abwahl unwahrscheinlich

Paffrath will hingegen größere Brötchen backen. Die "LA Times" hat seine Ideen als bisweilen kühn bezeichnet: So will er zum Beispiel eine fast 3000 Kilometer lange Wasserpipeline vom Mississippi River bis nach Kalifornien bauen, um die Dürre zu beenden. Im ganzen Bundesstaat will er Berufsschulen nach deutschem Vorbild errichten - sowohl für Teenager als auch für Berufsumsteiger. "Ich möchte nicht, dass meine beiden Kinder, Jack und Max, in 20 Jahren sagen: 'Warum hast Du uns hier in Kalifornien groß gezogen, warum sind wir nicht nach Florida oder Texas gegangen, wo die Schulen besser sind?' Davor habe ich Angst."

Auch wenn seine Pläne manchmal übers Ziel hinausschießen, der 29-Jährige hat sich in dem 40 Millionen Einwohner-Staat viele Sympathien erobert. Dennoch: Den Realitätscheck gibt es für ihn am Dienstagabend. Umfragen zufolge werden sich 60 Prozent der Kalifornier dafür entscheiden, Gouerneur Newsom im Amt zu belassen. Sollte Paffrath deutlich mehr als eine Million Stimmen bekommen, will er aber im nächsten Jahr bei den regulären Gouverneurs-Wahlen in Kalifornien nochmals antreten.