In einer Luftaufnahme ist der niedrige Wasserstand des Folsom Lake in Granite Bay (Kalifornien, USA) zu sehen. | AFP

Dürre vor der "Feuer-Saison" Es brennt schon wieder in Kalifornien

Stand: 14.05.2021 10:44 Uhr

Die Behörden in Kalifornien haben eine neue Dürrewelle und vielerorts die höchste Brandgefahrenstufe ausgerufen. Doch etliche Bewohner verlassen sich nicht mehr auf die Behörden und versuchen, sich selbst zu schützen.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

In den Abendnachrichten aus San Francisco gibt es fast jeden Tag neue Meldungen über Buschfeuer - und es ist noch nicht einmal Sommer. Eines der jüngsten Feuer brach nur gut drei Kilometer von Richard Vasquez' Haus in San Rafael aus, wenige Kilometer nördlich von San Francisco.

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Die Gegend sei für Brände so anfällig, weil sie mit dem China Camp State Park verbunden sei, wo viele abgestorbene Eichen lägen, sagt Vasquez. Außerdem hätten sich eingeschleppte Straucharten wie Besenginster breitgemacht. Das alles zusammen plus die Trockenheit mache die Region "verwundbar". Jedes Jahr kommt es in Nord-Kalifornien zu verheerenden Bränden. 2020 fielen rund 17.000 Quadratkilometer den Flammen zum Opfer.

Der 58-jährige Vasquez will seine Familie und das Haus besser schützen. Bisher sind sie vor den Feuern verschont geblieben. Doch sein Haus grenzt an ein großes Waldstück. "Wir haben hier regelmäßig Ziegenherden, die alles abgrasen", sagt Vasquez. "Wir graben die Böden um und bedecken sie mit Mulch." So versuchten sie, hohe Gräser und eingeschleppte Pflanzenarten zu verhindern, die hier nicht hingehörten.

Die "Feuer-Saison" droht früher zu beginnen  

Eigentlich beginnt die "Feuer-Saison" in Kalifornien erst im Spätsommer, August bis November sind die gefährlichsten Monate. Aber in diesem Jahr hat es bislang viel zu wenig geregnet. Böden und Sträucher sind bereits ausgetrocknet.

Gouverneur Gavin Newsom forderte die Bevölkerung im Norden des Bundesstaates zum Wassersparen auf. "In den vergangenen Wochen haben wir so viel Wasser verloren, wie es von gut einer Million Haushalte im Jahr verbraucht wird", sagte er. Dieses Jahr hätte die Schneeschmelze erst gar nicht Flüsse und Auffangbecken erreicht. "Das Wasser ist einfach versickert und verdunstet."

Der von der Dürre geplagte American River in der Nähe von Sacramento (Kalifornien, USA). | REUTERS

Eigentlich beginnt die "Feuer-Saison" erst im Sommer. Doch vielerorts in Kalifornien - so wie am American River bei Sacramento - ist es bereits jetzt viel zu trocken. Bild: REUTERS

Feuer sind ein Problem, die Stromversorgung eine anderes. Sie muss bei besonders großer Brandgefahr - bei starken Windböen und großer Hitze - abgeschaltet werden, oft für Hunderttausende Haushalte. Nicht stundenweise, sondern oft tagelang. Vasquez hat sich auch darauf eingerichtet: "Ich habe deshalb eine Solaranlage und zwei große Tesla-Batterien installiert. Mein Haus ist dadurch jetzt unabhängig." 

"Die Behörden machen zu wenig"

Das Vertrauen in die kalifornische Regierung ist durch die jährlichen Waldbrände nicht gerade gewachsen. Die Behörden machten zu wenig, sagt Vasquez, um Mensch und Natur präventiv zu schützen.

Gemeinsam mit Nachbarn mietet Vasquez alle paar Wochen eine Planierraupe an, um vertrocknete Büsche und Sträucher zu entfernen. Erst kürzlich hatte wieder eine Ziegenherde zu Gast, die Gräser und Sträucher dezimierte. Tägliche Rundgänge ums eigene Grundstück und zum angrenzenden Wald gehören für Vasquez inzwischen wieder zur Routine.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Mai 2021 um 03:33 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

Avatar
Moderation 14.05.2021 • 21:54 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir beschlossen, die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation