Der deutsche Astronaut Matthias Maurer | dpa

NASA verschiebt Start zur ISS erneut Maurer muss sich weiter gedulden

Stand: 07.11.2021 15:40 Uhr

Der deutsche Astronaut Maurer muss weiter auf seine Weltraumission warten: Der Start zur ISS ist erneut verschoben worden. Die NASA will erst eine andere Crew zurück zur Erde holen.

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer muss sich weiter gedulden. Eigentlich hätte er schon am letzten Oktober-Wochenende zum zwölften Deutschen im All werden sollen. Nun kann er frühestens Donnerstagmorgen (Mittwoch Ortszeit) zur Internationalen Raumstation ISS aufbrechen. Zunächst soll eine Crew von vier Astronauten von der ISS zurück zur Erde geholt werden, teilte die US-Raumfahrtbehörde NASA mit.

Doch auch für sie gab es eine Verzögerung: Das Raumfahrtunternehmen SpaceX verschob den eigentlich für Sonntag geplanten Abflug von der ISS wegen starken Windes vor der Küste von Florida um einen Tag. Die vier Astronauten aus den USA, Frankreich und Japan sollen nun am Montagnachmittag die ISS verlassen und am Abend mit der Kapsel im Golf von Mexiko landen.

SpaceX plant weiter, Maurer und seine drei NASA-Kollegen frühestens am Donnerstag um 3.03 Uhr deutscher Zeit (Mittwoch um 21.03 Uhr Ortszeit) starten zu lassen. Damit würden sie am Freitag um 01.10 Uhr MEZ an der ISS ankommen.

Mit Maurer soll erstmals seit drei Jahren wieder ein deutscher Astronaut ins All fliegen. Gemeinsam mit den NASA-Kollegen Thomas Marshburn, Raja Chari und Kayla Barron soll er vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida aus zur Raumstation ISS starten. Transportiert werden sollen die vier Astronauten von einem "Crew Dragon" der privaten Raumfahrtfirma SpaceX von Elon Musk.

Für den 51-jährigen Maurer ist es die erste Weltraummission. Er wäre mit dem Flug der zwölfte Deutsche im All, der vierte auf der ISS und der erste, der mit einem "Crew Dragon" dorthin geflogen wird.

Auf der ISS soll der Astronaut der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) in rund 400 Kilometern Höhe etwa sechs Monate lang zahlreiche Experimente durchführen und wohl auch einen Außeneinsatz absolvieren. Zuletzt war 2018 mit Alexander Gerst ein deutscher ESA-Astronaut im All gewesen.

Der ursprünglich für das letzte Oktober-Wochenende geplante Start des 51-jährigen Saarländers war zuvor schon mehrfach verschoben worden - unter anderem wegen schlechten Wetters und eines "kleineren medizinischen Problems" eines Crew-Mitglieds. Das medizinische Problem werde weiter beobachtet, hatte die NASA zuletzt mitgeteilt. Es werde erwartet, dass das vor dem geplanten Start wieder in Ordnung sei. Nähere Informationen dazu gab es weiter nicht. Zuletzt war als frühestmöglicher Starttermin der Montag genannt worden. Für diesen Termin hatte es allerdings auch schon Bedenken angesichts des Wetters gegeben. Sorgen bereiteten vor allem starke Winde in Cape Canaveral und schlechte Wetterbedingungen im weiteren Flugverlauf.

Eine SpaceX Falcon 9-Rakete in Cape Canaveral | dpa

Transportiert werden zur ISS sollen Maurer und seine Kollegen-Astronauten von einem "Crew Dragon" der privaten Raumfahrtfirma SpaceX. Bild: dpa

Rückkehr von "Crew 2"-Priorität

Die NASA gab nun der Rückkehr der sogenannten "Crew-2" Priorität. Der "Crew 2" gehören der Franzose Thomas Pesquet, der Japaner Akihiko Hoshide und die Amerikaner Shane Kimbrough und Megan McArthur an. Die vier Astronauten haben mehr als sechs Monate im All verbracht und werden nun entgegen den Gepflogenheiten schon vor der Ankunft ihrer Ablösung zurückkehren.

Die "Crew-2" sollte nun - mit rund 250 Kilogramm wissenschaftlichen Experimenten im Gepäck - frühestens am Sonntag von der ISS abdocken, dann einmal um die Raumstation herumfliegen, um Fotos für mögliche anstehende Reparaturen zu machen, und am Montag im Meer vor Florida ankommen.

Keine Bordtoilette auf dem Rückflug

Er sei vor dem Rückflug nicht nervös, sagte der französische Astronaut Pesquet bei der Pressekonferenz. Er sprach angesichts der bevorstehenden Rückkehr zur Erde von einem "bittersüßen Gefühl". "Wir kommen vielleicht nie wieder zurück, um die ISS zu sehen, und sie ist wirklich ein magischer Ort", sagte der Franzose.

Der "Crew Dragon", mit dem die "Crew-2" an der ISS ist, hat allerdings ein Problem: Die Toilette ist kaputt. Die vier Astronauten müssen deshalb jeweils mit einer Art Windel zurück zur Erde fliegen. Das sei natürlich "suboptimal", sagte Astronautin McArthur. "Aber bei der Raumfahrt gibt es viele kleine Herausforderungen und wir sind bereit, das in den Griff zu bekommen." 

Eigentlich Übergabe von Crew zu Crew geplant

Eigentlich war eine Übergabe zwischen "Crew-2" und "Crew-3" an Bord der ISS geplant. Dass diese nun ausfalle, sei aber nicht weiter schlimm, sagte NASA-Astronaut Kimbrough am Freitag bei einer Pressekonferenz aus dem All. Die Aufgabe werde nun NASA-Astronaut Mark Vande Hei übernehmen, der im April gemeinsam mit den Kosmonauten Oleg Nowizki und Pjotr Dubrow zur ISS gekommen war.

Über dieses Thema berichtete die ARD Infonacht im Hörfunk am 06. November 2021 um 00:42 Uhr.