Ein Junge wird in Hartford (Connecticut, USA) gegen das Coronavirus geimpft. | AFP

Stockende US-Impfkampagne Die Angst der Eltern vor dem Piks

Stand: 08.07.2021 07:24 Uhr

Während es in Deutschland noch keine explizite Impfempfehlung für Jugendliche gibt, sind in den USA bereits acht Millionen der zwölf- bis 18-Jährigen geimpft. Doch der Fortschritt ist ins Stocken geraten.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

In den USA hat Präsident Joe Biden gerade angekündigt, verstärkt Hausärzten Impfstoff zur Verfügung zu stellen. Damit sollten sie junge Amerikaner impfen können, so Biden. "Zum Beispiel bei regulären Gesundheitschecks nach den Sommerferien impfen können, oder bei Attesten für Sportkurse."

Torsten Teichmann ARD-Studio Washington

In der Gruppe der zwölf- bis 18-Jährigen haben nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC derzeit 8,3 Millionen Amerikaner mindestens eine Dosis erhalten. Aber der Fortschritt stockt. Berichte über Nebenwirkungen der Corona-Impfstroffe, wie zum Beispiel Fälle von Entzündungen des Herzmuskels, haben einige Eltern verunsichert. In den allermeisten US-Bundesstaaten müssen Eltern der Impfung ihrer Kinder zustimmen.

Appelle im Fernsehen

Mediziner wie George Narby von der Gesundheitsbehörde in Alabama werben dann immer mit der Statistik. Im Lokalfernsehen setzt Narby die Zahlen ins Verhältnis: "Bei Covid-Erkrankten treten Entzündungen von Organen auf, auch des Herzmuskels. Rechnerisch sind es 23.000 Fälle auf eine Million Corona-Patienten - verglichen mit 13 Entzündungsfällen auf eine Million Menschen, die geimpft worden sind."

Soll heißen, die Vorteile einer Impfung wiegen auch bei Jugendlichen, die Gefahr von selten auftretenden Nebenwirkungen auf. Narby empfiehlt, dass sich junge Amerikaner impfen lassen.

Eine Umfrage im vergangenen Mai hatte herausgefunden, dass nur drei von zehn befragten Eltern ihre Kinder unmittelbar gegen Corona impfen lassen wollten. Doch wenn Freunde immunisiert sind, steigt häufig der Gruppendruck.

Jugendliche gegen Eltern

In einigen Fällen stellen sich junge Amerikaner beim Thema Impfen gegen ihre Eltern. Einer der prominentesten Vertreter in dem Zusammenhang ist schon seit einigen Jahren Ethan Lindenberger. Der politische Aktivist hatte mit 18 Jahren demonstrativ eine Reihe von Impfungen nachgeholt - gegen den ausdrücklichen Wunsch seiner Mutter.

"Impfgegner verwenden Ereignisse im Bereich von Anekdoten, um ein Fundament bei Eltern zu legen. Und damit erreichen sie Leute - denn auch meine Mutter fühlte sich bestätigt, denn sie kannte plötzlich Leute und hörte Geschichten", sagt Lindenberger im Fernsehsender NBC und berichtet, er habe seine erste Dosis gegen Corona bereits im März erhalten.

Die Debatte wird nicht nachlassen: Denn für die unter zwölfjährigen Kinder ist noch kein Impfstoff zugelassen. Dabei sind sie mit Abstand die größte Gruppe der jungen Amerikaner. Ab Herbst könnten Behörden in den USA eine verringerte Dosis der Impfpräparate auch für Kinder älter als fünf Jahre empfehlen .

 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. Juli 2021 um 06:11 Uhr.

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Moderation 08.07.2021 • 12:06 Uhr

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