Disneyland in Anaheim, Kalifornien (Archivbild) | AFP

Corona in Kalifornien Impfen bei Micky Maus und Co.

Stand: 12.03.2021 10:22 Uhr

Um möglichst viele Menschen impfen zu können, setzt der US-Bundesstaat Kalifornien auf riesige Impfzentren. Dafür wurden große Parkplätze umgebaut - auch der von Disneyland.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Normalerweise parken auf dem schnöden Asphalt-Parkplatz in Anaheim in Kalifornien massenweise Menschen, um zu Micky Maus, Donald Duck und Co. ins Disneyland zu pilgern.  

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Wegen der Corona-Pandemie ist Disneyland seit einem Jahr geschlossen. Stattdessen sind auf dem sogenannten "Toy Story" Parkplatz große weiße Zelte aufgebaut. Dort kann man sich impfen lassen, so wie ein älteres Ehepaar, das sich riesig freut, nun bald seine Enkel sehen zu können.

7000 bis 8000 Menschen aus Kalifornien werden hier täglich geimpft. Kaliforniens Strategie lautet: Je größer desto besser - neben dem Disneyland-Parkplatz gibt es auch das Mega-Impfzentrum in Los Angeles, das Dodger Stadium, wo normalerweise Baseball gespielt wird oder der Parkplatz des Achterbahn-Parks Six Flag.

Autos warten vor einer Corona-Impfstation im Dodger Stadium in Los Angeles | dpa

Impfen statt Baseball: Autos warten vor einer Corona-Impfstation im Dodger Stadium in Los Angeles. Bild: dpa

Der Toy-Story-Parkplatz vom Disneyland im kalifornischen Anaheim dient als Corona-Impfzentrum. | imago images/ZUMA Wire

Der "Toy Story" Parkplatz: Statt Mickey Mouse zu besuchen, kann man sich vor Disneyland impfen lassen. Bild: imago images/ZUMA Wire

Neben den vielen örtlichen Apotheken sind das die Orte, in denen sich die Kalifornier ihre Spritze geben lassen können. Fast elf Millionen Impfdosen sind schon verteilt worden. Eine Zahl, auf die der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom mächtig stolz ist:

Impfstoffe sind endlich auf dem Weg und wir haben als allererstes diese Massen-Impfzentren aufgebaut - diesem Vorbild sind andere Bundesstaaten gefolgt. Wir haben das robusteste Impfprogramm des Landes. Kalifornien liegt jetzt an sechster Stelle, was die Impfstoff-Verteilung angeht, noch vor Ländern wie Russland, Deutschland oder Frankreich.

Derzeit befindet sich Kalifornien noch in Phase 1B. Das bedeutet, Menschen über 65 können geimpft werden, Fachkräfte im Gesundheitsbereich, Lehrkräfte und Angestellte in Kindertagesstätten. In einer Woche soll es in die nächste Phase gehen, Personen ab 16 mit Vorerkrankungen.

System läuft noch nicht rund

Trotz vieler positiver Zahlen und Erfolge: Das System ist alles andere als perfekt - oft sind die Webseiten überlastet, die Wartezeiten noch lang.

Immer wieder gibt es Meldungen darüber, dass Menschen das System umgehen, sich vordrängeln. Gerade erst musste eine Klinik in der Stadt Pasadena komplett schließen, nachdem bekannt wurde, dass wohl mehrere hundert Menschen sich illegal Impftermine erschlichen haben.  Die hatten sich alle mit einem Link angemeldet, der die Runde machte, obwohl sie noch nicht in den Gruppen sind, die geimpft werden dürfen.

Ein anderes Problem: Viele Schwarze und Latinos bekommen prozentual gesehen viel seltener Impftermine, bleiben außen vor, weil sie nicht gut über Impfungen informiert werden. 

Reservierte Impfdosen für besonders betroffene Gegenden

Auf die Vorwürfe hat Kalifornien reagiert - 40 Prozent der Impfdosen sollen für Menschen reserviert werden,  die in Gegenden leben, die besonders hart von der Corona-Pandemie betroffen sind. Mit dieser Strategie will Kalifornien am liebsten Impf-Weltmeister werden, auch mit der Hilfe von Micky Maus und Co.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. März 2021 um 10:09 Uhr.