Ein Mann blickt auf ein Stück Dach, das durch den Hurrikan "Ida" von einem Gebäude im French Quarter in New Orleans (Louisiana, USA) abgerissen wurde.  | EPA

Hurrikan "Ida" "Katastrophale Schäden" in Louisiana

Stand: 30.08.2021 21:19 Uhr

Überflutete Straßen, abgedeckte Dächer, mehr als eine Million Menschen ohne Strom: Hurrikan "Ida" hat im Süden der USA rund um New Orleans schwere Schäden verursacht. Der Gouverneur befürchtet viele Todesopfer.

Hurrikan "Ida" hat im südlichen US-Bundesstaat Louisiana schwere Schäden verursacht und mindestens zwei Menschenleben gefordert. Der Gouverneur von Louisiana, John Bel Edwards, bezeichnete die Schäden als "katastrophal". Er gehe fest davon aus, dass die Zahl der Toten im Laufe des Tages "deutlich" steige. Stundenlang wütete der Sturm mit Windgeschwindigkeiten bis zu 230 Stundenkilometer.

Der Wiederaufbau werde Wochen und Monate dauern, sagte Edwards dem TV-Sender NBC. Die Rettungs- und Bergungseinsätze liefen teils schleppend an, weil so viele Straßen durch Trümmer unpassierbar seien. "Die Schäden sind wirklich katastrophal." Viele Bewohner hätten noch stehendes Wasser in ihren Häusern und müssten gerettet werden.

Der Gouverneur betonte zugleich, es sei sehr erfreulich, dass das Hochwasserschutzsystem in New Orleans, das nach der Zerstörung durch Hurrikan "Katrina" im Jahr 2005 gebaut worden war, gehalten habe. "Die Lage in New Orleans ist schlecht so wie sie jetzt ist ohne Strom, aber es könnte so viel schlimmer sein", sagte er mit Blick auf die schützenden Dämme. Er hoffe, dass die Elektrizität zumindest in Teilen von New Orleans "bald" wieder hergestellt werden könne.

Umgestürzte Stromleitungen in Metairie (Louisiana, USA) | AP

Eine besondere Gefahr geht von den zahlreichen umgestürzten Strommasten aus. Mehr als eine Million Menschen sind ohne Strom. Bild: AP

Eine Million Menschen ohne Strom

Mehr als eine Million Menschen sind im Süden der USA ohne Strom - die meisten in Louisiana, wo der Wirbelsturm auf Land getroffen war. Nach Angaben der Webseite poweroutage.us sind dort rund 996.000 Haushalte ohne Elektrizität, im benachbarten Bundesstaat Mississippi etwa 36.000.

Auch im gesamten Stadtgebiet von New Orleans ist der Strom ausgefallen. "Der einzige Strom in der Stadt kommt von Generatoren", schrieb die städtische Einsatzzentrale bei Twitter. In New Orleans leben knapp 400.000 Menschen.

Weiterer Toter gefunden

In der Gemeinde Prairieville sei eine Person von einem umstürzenden Baum tödlich verletzt worden, teilte das Sheriff-Büro mit. Beim Eintreffen der Polizei hätten die Beamten nur noch den Tod des Opfers feststellen können. Der Ort liegt südöstlich von Baton Rouge, der Hauptstadt Louisianas. Ein weiteres Todesopfer wurde in New Orleans gefunden. Dort sei ein Autofahrer bei heftigen Regenfällen ertrunken, teilten die Behörden mit.

Ausmaß der Zerstörung noch nicht absehbar

Fotos und Videos zeigen in den küstennahen Gebieten Häuser und Straßen, die unter Wasser standen, abgedeckte Gebäude und zahlreiche entwurzelte Bäume. Besonders betroffen waren niedrig liegende Gebiete südwestlich der Stadt New Orleans, für die es zuvor zumeist Evakuierungsanordnungen gegeben hatte. Auch aus der weiter nördlich gelegenen Kleinstadt Houma mit etwa 30.000 Einwohnern, die direkt im Pfad des Sturms lag, kamen Berichte über schwere Schäden.

Angespannt ist die Situation für viele Krankenhäuser. Wegen der extrem hohen Zahl an Corona-Patienten konnten sie nicht evakuiert werden. In seinem Krankenhaus in Baton Rouge sei kein einziges Bett mehr frei, erklärte Dr. Christoper Thomas auf CNN: "Der Hurrikan fühlt sich für uns fast normal an. Aber zusammen mit Corona ist es wirklich stressig. Und wir machen uns Sorgen um unsere Sauerstoffversorgung."

"Ganze Macht dieses Landes einsetzen"

Präsident Joe Biden akzeptierte die Ausrufung des Notstands in Louisiana und gab Bundeshilfen frei. Zudem wandte er sich direkt an die Bewohner. "Sobald der Sturm vorübergezogen sein wird, werden wir die ganze Macht dieses Landes für Rettung und Wiederaufbau einsetzen", so Biden.

Man habe bereits 2,5 Millionen Mahlzeiten, drei Millionen Liter Trinkwasser, 76.000 Planen und 64 Generatoren in der Region in Stellung gebracht. Außerdem seien Hunderte Helfer, 90 Krankenwagen sowie acht Sanitätsflugzeuge und sieben Hubschrauber bereitgestellt worden, erklärte die Katastrophenschutzbehörde Fema.

"Ida" verliert an Kraft

Das Zentrum des Hurrikans "Ida" war am Sonntagmittag bei Port Fourchon südwestlich von New Orleans als extrem gefährlicher Sturm der Stärke vier von fünf auf die Küste getroffen - mit Windgeschwindigkeiten von 241 Kilometern pro Stunde. Über dem warmen Golf von Mexiko hatte "Ida" massiv an Kraft gewonnen, mittlerweile aber an Wucht verloren.

Das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) stufte "Ida" mittlerweile von einem Hurrikan zu einem Tropensturm herab. Es sei aber weiter mit gefährlichen Flutwellen, heftigen Winden und Sturzfluten in Teilen des Südostens Louisianas und im Süden des Bundesstaats Mississippi zu rechnen.

Über dieses Thema berichtete das Morgenmagazin am 30. August 2021 um 06:07 Uhr.