Ein Feuerwehrmann kämpft sich in Bourg, Louisiana, durch den Regen. | AFP

Hurrikan "Ida" Eine Million Menschen ohne Strom

Stand: 30.08.2021 15:34 Uhr

Hurrikan "Ida" hat in der Region um New Orleans offenbar schwere Schäden verursacht: Vielerorts brach die Stromversorgung zusammen. Unweit von Baton Rouge wurde ein Mensch von einem Baum erschlagen.

Wegen des Hurrikans "Ida" sind im Süden der USA mehr als eine Million Menschen ohne Strom. Betroffen ist nach Angaben der Webseite poweroutage.us vor allem der Bundesstaat Louisiana, wo der Wirbelsturm auf Land getroffen war. Dort seien rund 996.000 Haushalte ohne Elektrizität, im benachbarten Bundesstaat Mississippi etwa 36.000.

Auch im gesamten Stadtgebiet von New Orleans ist der Strom ausgefallen. "Der einzige Strom in der Stadt kommt von Generatoren", schrieb die städtische Einsatzzentrale bei Twitter. In New Orleans leben knapp 400.000 Menschen.

Es sei nicht damit zu rechnen, dass die Versorgung in Kürze wiederhergestellt werden könne, teilte der Versorger Entergy mit. Der Hurrikan habe alle acht für die Strombelieferung der Stadt zuständigen Leitungen beschädigt. Die Reparaturarbeiten dauerten an.

Mensch von Baum erschlagen

Inzwischen gibt es Berichte über ein Todesopfer. In der Gemeinde Prairieville sei eine Person von einem umstürzenden Baum tödlich verletzt worden, teilte das Sheriff-Büro mit. Beim Eintreffen der Polizei hätten die Beamten nur noch den Tod des Opfers feststellen können. Der Ort liegt südöstlich von Baton Rouge, der Hauptstadt Louisianas.

Ausmaß der Zerstörung noch nicht absehbar

Fotos und Videos zeigen in den küstennahen Gebieten Häuser und Straßen, die unter Wasser standen, abgedeckte Gebäude und zahlreiche entwurzelte Bäume. Besonders betroffen waren niedrig liegende Gebiete südwestlich der Stadt New Orleans, für die es zuvor zumeist Evakuierungsanordnungen gegeben hatte. Auch aus der weiter nördlich gelegenen Kleinstadt Houma mit etwa 30.000 Einwohnern, die direkt im Pfad des Sturms lag, kamen Berichte über schwere Schäden.

Gouverneur John Bel Edwards warnte, das wahre Ausmaß der Zerstörung werde in dem Bundesstaat erst ersichtlich werden, sobald der Sturm in nordöstlicher Richtung abgezogen sei und Rettungs- und Bergungseinsätze beginnen könnten.

Angespannt ist die Situation für viele Krankenhäuser. Wegen der extrem hohen Zahl an Corona-Patienten konnten sie nicht evakuiert werden. In seinem Krankenhaus in Baton Rouge sei kein einziges Bett mehr frei, erklärte Dr. Christoper Thomas auf CNN: "Der Hurrikan fühlt sich für uns fast normal an. Aber zusammen mit Corona ist es wirklich stressig. Und wir machen uns Sorgen um unsere Sauerstoff-Versorgung."

"Ganze Macht dieses Landes einsetzen"

Präsident Joe Biden akzeptierte die Ausrufung des Notstands in Louisiana und gab Bundeshilfen frei. Zudem wandte er sich direkt an die Bewohner. "Sobald der Sturm vorübergezogen sein wird, werden wir die ganze Macht dieses Landes für Rettung und Wiederaufbau einsetzen", so Biden.

Man habe bereits 2,5 Millionen Mahlzeiten, drei Millionen Liter Trinkwasser, 76.000 Planen und 64 Generatoren in der Region in Stellung gebracht. Außerdem seien Hunderte Helfer, 90 Krankenwagen sowie acht Sanitätsflugzeuge und sieben Hubschrauber bereitgestellt worden, erklärte die Katastrophenschutzbehörde Fema.

"Ida" verliert an Kraft

Das Zentrum des Hurrikans "Ida" war am Sonntagmittag bei Port Fourchon südwestlich von New Orleans als extrem gefährlicher Sturm der Stärke vier von fünf auf die Küste getroffen - mit Windgeschwindigkeiten von 241 Kilometern pro Stunde. Über dem warmen Golf von Mexiko hatte "Ida" massiv an Kraft gewonnen, mittlerweile aber an Wucht verloren.

Das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) stufte "Ida" mittlerweile von einem Hurrikan zu einem Tropensturm herab. Es sei aber weiter mit gefährlichen Flutwellen, heftigen Winden und Sturzfluten über Teilen des Südostens Louisianas und im Süden des Bundesstaats Mississippi zu rechnen. Der Wirbelsturm bringe nunmehr maximal anhaltende Windgeschwindigkeiten von 95 Kilometern pro Stunde mit sich, teilte das NHC in Miami mit.

Der Hurrikan bewegte sich über Land nur sehr langsam fort, daher sind die Orte in seinem Pfad längere Zeit extremen Winden ausgesetzt. Experten befürchteten deshalb große Schäden.

Erinnerungen an "Katrina"

Auf den Tag genau vor 16 Jahren war Hurrikan "Katrina" in der Gegend auf Land getroffen. Damals kamen schätzungsweise 1800 Menschen ums Leben.

Mit Informationen von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete das Morgenmagazin am 30. August 2021 um 06:07 Uhr.