Die erste Gouverneurin des US-Bundesstaats New York, Kathy Hochul.
Porträt

Gouverneurin Kathy Hochul Die erste Frau im Chefsessel von New York

Stand: 24.08.2021 00:18 Uhr

Im US-Bundesstaat New York wird erstmals eine Frau Gouverneurin. Kathy Hochul folgt auf den nach Belästigungsvorwürfen zurückgetretenen Cuomo.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Die Möbelwagen sind schon vorgefahren vor der Gouverneursvilla in Albany. Und Kathy Hochul hat darin einen drastischen Tapetenwechsel angekündigt: "Am Ende meiner Amtszeit - wann immer sie kommt - wird niemand meine Arbeitsatmosphäre als vergiftet beschreiben."

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Das nämlich hat ihren Vorgänger um Kopf und Kragen gebracht. Andrew Cuomo, dem elf Frauen sexuelle Belästigung vorwerfen. Und der deshalb seinen Hut nahm. Bis dahin stand Hochul im Schatten ihres selbsterhöhten Chefs. Jetzt springt sie in die Bresche. Mit geballter Faust: "Mein Versprechen an alle New Yorker ist: Ich werde jeden Tag höllisch für Euch kämpfen. Wie auch immer das ausgeht."

Hochul kommt aus konservativer Region

Die 62-Jährige schreibt Geschichte: Als erste Gouverneurin sitzt die Frau mit dem stechenden, grauen Blick im Chefsessel des Bundesstaats mit 19 Millionen Menschen. "Ich bin außer mir über diese Chance. Das ist ein Geschenk." Vor sieben Jahren hatte Cuomo die Demokratin zu seiner Vize-Gouverneurin gemacht, ihr vor einem männlichen Rivalen den Vortritt gelassen. Doch einig waren sie sich nie. Das betont Hochul jetzt gern.

Ich denke, es ist sehr klar, dass der Gouverneur und ich nicht sehr eng miteinander sind. Ich reise lieber durchs Land, anstatt Zeit mit ihm im Kapitol zu verbringen.

Die Juristin stammt aus Hamburg, einer Kleinstadt in Upstate New York. Anders als in der deutlich linken Metropole ist die Region am Eriesee konservativ geprägt. Die Tochter einer eingewanderten Stahlarbeiterfamilie aus Irland verblüffte dort schon einmal: Als sie nämlich 2011 bei einer Nachwahl das Rennen gegen einen Republikaner für sich entschied - und für die Demokraten ins Repräsentantenhaus nach Washington zog.

Hochul gibt sich gern als Kämpferin

In die Politik ging die zweifache Mutter mit 35 Jahren. "Seitdem habe ich jede Gelegenheit ergriffen, die auf meinem Weg lag." Ein Jahr lang vertrat sie New York im Parlament der Obama-Regierung. Unter anderem im Streikräfteausschuss. Dann verlor sie ihren Sitz und ging ins Bankengeschäft. Mit ihrer Mutter und einer Tante gründete Hochul ein Asyl für Frauen auf der Flucht vor häuslicher Gewalt. Gern gibt sie sich als Kämpferin.

Ich habe da draußen auf der Straße gekämpft, um den Mindestlohn hochzubringen, ich habe für bezahlte Elternzeit gekämpft. Ich habe wie eine Weltmeisterin gegen den Verschreibungs-Missbrauch von Opioiden gekämpft - etwas, das meine Familie direkt betraf. Für Kinderunterstützung, bezahlbaren Wohnraum, saubere Energie, wirtschaftliche Entwicklung. Das wird weitergehen. Sogar mit noch mehr Druck.

Was Kathy Hochul nicht sagt: Ursprünglich bekämpfte sie viele dieser Ziele. Stellte sich dagegen, illegale Einwanderer den Führerschein machen zu lassen, der auch als Ausweis gilt. In ihrem ländlichen Wahlkreis rund um Buffalo wäre das nicht gut gekommen. Erst auf dem Beifahrersitz von Andrew Cuomo änderte sich ihre Haltung. Sie habe eben dazugelernt, erklärt Hochul oft. Ob die Wähler ihr das abnehmen, wird sich im nächsten Jahr zeigen. Dann nämlich stehen die nächsten Gouverneurswahlen in New York an.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. August 2021 um 05:46 Uhr.