Hinrichtung von verurteilter Mörderin in den USA ausgesetzt.

Todesstrafe in den USA Gericht setzt Hinrichtung von Frau vorerst aus

Stand: 12.01.2021 10:42 Uhr

In den USA ist die Hinrichtung einer Frau vorerst ausgesetzt worden. Als Grund nannte der Richter ihren psychischen Zustand. Derweil planen demokratische Politiker einen Gesetzentwurf zur Abschaffung der nationalstaatlichen Todesstrafe.

In den USA hat ein Gericht die Vollstreckung des ersten Todesurteils gegen eine Frau seit 70 Jahren kurzfristig ausgesetzt. Die wegen eines grausamen Mordes an einer Schwangeren zum Tode verurteilte 52-jährige werde nicht wie vorgesehen am Dienstag hingerichtet, erklärte ein Gericht im Bundesstaat Indiana.

Schlechter psychischer Zustand

Richter James Hanlon begründete den Aufschub mit dem schlechten psychischen Zustand der in Indiana inhaftierten 52-Jährigen. Die dem Gericht vorliegenden Berichte zeigen laut Hanlon, dass sich die mit einem Hirnschaden geborene Frau derzeit mental "weit von der Realität entfernt" befindet. Dies mache eine Hinrichtung unmöglich, da Täter den Grund für ein Todesurteil begreifen können müssten.

Allerdings hätten sowohl die Regierung als auch die Öffentlichkeit ein Interesse an der zeitgerechten Vollstreckung von Hinrichtungen, führte Hanlon aus. Das Gericht werde rasch über das weitere Vorgehen beraten. Die Anwälte der 52-Jährigen hatten in der vergangenen Woche auch US-Präsident Donald Trump um Gnade ersucht. Sie baten um Umwandlung der Todes- in eine lebenslange Haftstrafe. Die Juristen argumentierten in ihrem Brief an den scheidenden Präsidenten, ihre Mandantin sei zum Tatzeitpunkt im Jahr 2004 psychisch schwer krank gewesen. 

Grausame Tat an Schwangerer

Die Frau hatte damals eine Hochschwangere erwürgt und ihr dann das Baby aus dem Bauch geschnitten. Der Vollzug des Todesurteils im Hinrichtungsgefängnis von Terre Haute in Indiana wäre die erste Hinrichtung einer Frau durch die US-Bundesjustiz seit dem Jahr 1953. Die heute 52-Jährige war einen Tag nach der Tat in ihrem Haus in Skidmore im US-Bundesstaat Missouri rund 250 Kilometer vom Tatort entfernt festgenommen worden. Das geraubte Baby, das die Tat überlebte, hatte sie bei sich. Vor ihrem Geständnis erzählte sie der Polizei und ihrem Mann, dass sie das Mädchen selbst zur Welt gebracht habe.

Im Jahr 2007 wurde sie zum Tode verurteilt. Das US-Justizministerium entschied im vergangenen Jahr in ihrem Fall sowie bei zwölf anderen zum Tode verurteilten Häftlingen in US-Bundesgefängnissen, dass die Hinrichtungen vollzogen werden sollten. Zuvor waren Hinrichtungen durch die Bundesjustiz 17 Jahre lang ausgesetzt gewesen. 

Demokraten kündigen Gesetzentwurf gegen Todesstrafe an

Derweil haben demokratische Politiker einen Gesetzentwurf zur Abschaffung der nationalstaatlichen Todesstrafe angekündigt. Die Abgeordnete Ayanna Pressley erklärte im Rundfunksender NPR, die USA setzten sich gegenwärtig mit dem Thema Rassismus und Gerechtigkeit auseinander. Die Todesstrafe müsse Teil diese Diskussion sein. Afro-Amerikaner, Latinos und mittellose Menschen werden überproportional häufig zum Tod verurteilt.

Der künftige Präsident Joe Biden lehnt die Todesstrafe ab. In der kommenden Legislaturperiode stellen die Demokraten die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus. Trump hatte im vergangenen Jahr zehn Todesurteile vollstrecken lassen. Bis zu Bidens Amtsantritt am 20. Januar sollen weitere drei Menschen hingerichtet werden. Verteidiger haben in allen Fällen Berufung eingelegt.

Die meisten US-Todesurteile werden von den einzelnen Bundesstaaten vollstreckt. Trumps Regierung hat Hinrichtungen auf nationalstaatlicher Ebene vorangetrieben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Januar 2021 um 14:00 Uhr.

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