Daniel Foote (Archivbild von 2016) | AFP

Umgang mit Migranten aus Haiti US-Sondergesandter tritt aus Protest zurück

Stand: 23.09.2021 17:04 Uhr

Massenhafte Abschiebungen und Bilder von berittenen US-Grenzpolizisten, die gegen Migranten aus Haiti vorgehen, sorgten für Empörung. Nun ist der Sondergesandte der US-Regierung für Haiti aus Protest zurückgetreten.

Aus Protest gegen eine "inhumane" Deportation haitianischer Migranten aus den USA hat der Sondergesandte der US-Regierung sein Amt niedergelegt. Zwei US-Regierungsvertreter bestätigten den Rücktritt. Daniel Foote war erst im Juli auf den Posten berufen worden, nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse.

In einem Schreiben an Außenminister Antony Blinken sagte Foote demnach, dass er mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurücktrete, "mit großer Enttäuschung und der Bitte um Entschuldigung an jene, die bedeutende Veränderungen anstreben". Er wolle nicht mit der "unmenschlichen, kontraproduktiven Entscheidung der USA in Verbindung gebracht werden, Tausende haitianische Flüchtlinge und illegale Einwanderer zu deportieren". Der politische Ansatz der US-Regierung gegenüber Haiti sei falsch, und seine Empfehlungen seien ignoriert oder abgetan worden, wenn nicht sogar verfälscht, schrieb Foote.

Der Krisenstaat leide unter Armut und Gewalt und könne die Aufnahme von tausenden zurückkehrenden Menschen "ohne Essen, eine Unterkunft und Geld" nicht verkraften, "ohne dass es eine zusätzliche, vermeidbare menschliche Tragödie" gebe, erklärte Foote. "Mehr Flüchtlinge werden Verzweiflung und Kriminalität anheizen." Foote betonte auch, US-Diplomaten auf Haiti würden ihre gesicherten Gebäudekomplexe "wegen der Gefahr durch bewaffnete Banden, die den Alltag kontrollieren", nicht verlassen.

Tausende Migranten in Del Rio

Schon vor der Deportation zahlreicher haitianischer Migranten aus der texanischen Grenzstadt Del Rio seit dem Wochenende hatte sich der Diplomat zutiefst frustriert darüber gezeigt, dass Washington einer Verbesserung der Lebensverhältnisse in Haiti aus seiner Sicht keine große Dringlichkeit beimesse.

Die US-Regierung hatte zuletzt damit begonnen, in großem Umfang Haitianer abzuschieben, die über die US-Grenze zu Mexiko in das Land gekommen waren. Viele der Haitianer lebten schon seit Jahren nicht mehr in ihrem von Armut und Bandenkriminalität gebeutelten und von wiederholten Erdbeben erschütterten Land, sondern hielten sich in südamerikanischen Staaten wie Chile und Brasilien auf. Sie machten sich dann offenbar in der Hoffnung auf ein Bleiberecht in den USA auf den Weg.

US-Bischöfe fordern humanen Umgang mit Flüchtlingen

Für Aufsehen sorgten Bilder von mehr als 15.000 Menschen - die meisten von ihnen aus Haiti- die Del Rio unter einer Brücke ausharren mussten. Die Biden-Regierung ist zudem durch das harte Vorgehen berittener Grenzpolizisten gegen Haitianer unter Druck geraten.

Mehrere Bürgerrechtsbewegungen verurteilten die Behandlung der Haitianer in einem Brief an US-Präsident Joe Biden. Heimatschutzminister Alejandro Mayorkas, der Anfang der Woche Del Rio besucht hatte, kündigte eine offizielle Untersuchung der Vorfälle an.

Kritik am Umgang mit den Migranten übte auch die US-Bischofskonferenz. Jüngste Berichte hätten "erschütternde Fälle von Misshandlung" der Asylsuchenden gezeigt, heißt es in einer Erklärung des zuständigen Ausschussvorsitzenden der Bischofskonferenz, Bischof Mario Dorsonville-Rodriguez, und der Präsidentin von Catholic Charities, Donna Markham. "Wir fordern die US-Regierung auf, ihre Behandlung von Flüchtlingen in Del Rio zu überdenken."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. September 2021 um 17:00 Uhr.