Der Chef der kolumbianischen Nationalpolizei Vargas | REUTERS

Präsidentenmord in Haiti Ex-Funktionär soll Auftrag erteilt haben

Stand: 17.07.2021 08:53 Uhr

Nach dem Mord an Haitis Präsident Moïse wurden bisher mehr als 20 Menschen festgenommen. Nun gibt es neue Erkenntnisse: Die Polizei geht davon aus, dass ein früherer Mitarbeiter des Justizministeriums den Auftrag zur Tat übermittelte.

Ein früherer Mitarbeiter des haitianischen Justizministeriums soll den Auftrag zum Mord am Staatspräsidenten Jovenel Moïse an die Attentäter übermittelt haben. Der Mann habe zwei kolumbianischen Söldnern drei Tage vor dem Mordanschlag gesagt, dass dies ihre Mission sei, sagte der Chef der kolumbianischen Nationalpolizei, Jorge Vargas, in einer Videoansprache.

Dabei berief er sich auf Erkenntnisse gemeinsamer Ermittlungen haitianischer und kolumbianischer Behörden mit Interpol. Der Mann habe in einer Anti-Korruptionseinheit mit dem Geheimdienst zusammengearbeitet, sagte Vargas.

Suche mit Anzeigen

Die haitianische Polizei hatte am Dienstag Suchanzeigen samt Fotos des Ex-Funktionärs sowie eines Ex-Senators und eines dritten Haitianers wegen Mordes, versuchten Mordes und bewaffneten Raubüberfalls veröffentlicht. Nach Medienberichten wurde einer der Kolumbianer nach dem Mord von Polizisten erschossen, der andere festgenommen. Nach Angaben von Vargas gehörten sie zu einer Gruppe von vier Personen, die ab Ende April in Haiti eingereist waren. Ihnen folgten demnach später 20 weitere Kolumbianer.

Zunächst seien sie für Sicherheitsdienstleistungen über eine Firma eines Venezolaners in der US-Stadt Miami angeheuert worden, sagte Vargas. Später hätten der Ex-Funktionär und ein weiterer Mann die zwei Kolumbianer informiert, dass sie Moïse festnehmen sollten. Schließlich habe der Auftrag dann Mord geheißen - was Vargas zufolge ein Großteil der Söldnertruppe nicht wusste.

Beisetzung am Freitag

Der 53 Jahre alte Staatschef war in der Nacht zum 7. Juli in seiner Residenz von einer schwer bewaffneten Kommandotruppe überfallen und erschossen worden. Seine Ehefrau überlebte verletzt. Bislang wurden 18 Kolumbianer festgenommen und drei weitere getötet. Festgenommen wurden auch zwei US-Amerikaner haitianischer Herkunft und drei Haitianer. Darunter war ein haitianischer Arzt, der in den USA wohnte. Ihm warf die Polizei vor, die Söldner angeheuert zu haben, um selbst Präsident des Karibikstaates zu werden.

Moïse soll am kommenden Freitag bestattet werden. Das Staatsbegräbnis werde in Cap-Haitien stattfinden, sagte Interims-Regierungschef Claude Joseph.

Ex-Präsident Aristide kehrt zurück

Während international die Furcht vor weiterem Chaos im krisengeplagten Haiti wächst, kehrte am Freitag Ex-Präsident Jean-Bertrand Aristide in den Karibikstaat zurück. Der erste demokratisch gewählte Präsident Haitis war wegen Covid-19 in Kuba behandelt worden.

Aristide wurde von Hunderten Anhängern begrüßt. Der 68-jährige Vorsitzende der Partei Fanmi Lavalas ist in Haiti eine umstrittene Persönlichkeit. Der frühere Priester war 1990 nach einer demokratischen Wahl erstmals an die Macht gekommen und nur wenige Monate später durch einen Putsch gestürzt worden. In der Folge ging Aristide zunächst ins Exil. 1994 wurde er mit Hilfe einer US-Intervention erneut als Präsident eingesetzt.  Im Jahr 2001 wurde Aristide erneut zum Präsidenten gewählt. Drei Jahre später legte er das Amt auf Druck von Demonstranten und der USA nieder.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juli 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.