Der haitianische Polizeipräsident Leon Charlesspricht auf einer Pressekonferenz. | EPA

Präsidentenmord in Haiti Mutmaßlicher Auftraggeber festgenommen

Stand: 12.07.2021 08:38 Uhr

Die Polizei in Haiti hat einen Arzt aus Florida festgenommen, der den Mord an Präsident Moïse beauftragt haben soll. Der gebürtige Haitianer soll geplant haben, das Amt an sich zu reißen. Es ist bereits die 21. Festnahme in dem Fall.

Haitis Nationalpolizei hat nach eigenen Angaben einen mutmaßlichen Drahtzieher des Mordes am Präsidenten Jovenel Moïse festgenommen. Es handele sich um einen 63 Jahre alten haitianischen Arzt, der im US-Bundesstaat Florida wohnt, wie Interims-Polizeichef Léon Charles sagte. Der Mann sei vor kurzem in einem Privatflugzeug nach Haiti gekommen, um die Präsidentschaft an sich zu reißen.

Der Arzt werde beschuldigt, die als Attentäter verdächtigten kolumbianischen Söldner über eine venezolanische, private Sicherheitsfirma mit Sitz in Florida angeheuert zu haben, hieß es von der Polizei. Er sei der Erste gewesen, den diese nach dem Attentat angerufen hätten. In seiner Wohnung seien Beweise gefunden worden. Der Mann habe mit zwei weiteren Hintermännern Kontakt gehabt.

Er ist der dritte US-Bewohner haitianischer Herkunft und der 21. Mann insgesamt, der als Tatverdächtiger nach dem Mordanschlag festgenommen wurde. Auch die anderen beiden lebten Berichten zufolge in Florida.

Moïses Wächter leisteten anscheinend keinen Widerstand

Der 53 Jahre alte Staatschef Moïse war vergangene Woche in seiner Residenz überfallen und erschossen worden. Seine Ehefrau wurde schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei führten 26 Kolumbianer und zwei US-Amerikaner haitianischer Herkunft den Mord aus. Sie hätten sich als Agenten der US-Anti-Drogenbehörde DEA ausgegeben. Drei der Kolumbianer wurden demnach getötet, nach fünf werde noch gefahndet. Die Hintergründe der Tat blieben bisher unklar. Für Spekulationen sorgte unter anderem, dass die Wächter des Präsidenten anscheinend keinen Widerstand leisteten.

Die mutmaßlichen Attentäter sollen den Ermittlern gesagt haben, dass sie den Präsidenten festnehmen wollten, nicht töten, wie die Zeitung "Miami Herald" sowie eine mit der Angelegenheit vertraute Person zuvor berichteten.

Interims-Premierminister Claude Joseph führt seit dem Mord die Regierung, obwohl Moïse noch wenige Tage vor dem Anschlag den Neurochirurgen und Ex-Innenminister Ariel Henry zu dessen Nachfolger ernannt hatte. Henry sagte in einem Interview, aus seiner Sicht sei er der wahre Interims-Premierminister.

Internationale Gemeinschaft erkennt Joseph an

Die internationale Gemeinschaft hat Joseph, der auch Außenminister ist, bisher als Ansprechpartner anerkannt. Seine Regierung bat die Ex-Besatzungsmacht USA, Truppen zu schicken, um für Sicherheit zu sorgen und Infrastruktur zu schützen. Die Bitte werde geprüft, erklärte Pentagon-Sprecher John Kirby. Der Fokus liege derzeit aber darauf, bei den Ermittlungen zu helfen, sagte er dem Sender "Fox News". Dafür wurden hochrangige Beamte unter anderem der US-Bundespolizei FBI und des Heimatschutzministeriums nach Haiti geschickt.

Proteste gegen Moïse, der seit 2017 im Amt war, hatten Haiti zuletzt immer wieder lahmgelegt. Ihm wurden Korruption, Verbindungen zu brutalen Banden und autokratische Tendenzen vorgeworfen. Im Februar ernannten Oppositionsparteien einen Übergangspräsidenten, weil aus ihrer Sicht Moïses Amtszeit abgelaufen war. Zuletzt trieben blutige Kämpfe zwischen Banden um die Kontrolle über Teile der Hauptstadt mehr als 14.000 Menschen in die Flucht.

Der berüchtigte Bandenführer und Ex-Polizist Jimmy "Barbecue" Cherizier, dem Verbindungen zu Moïse nachgesagt wurden, sagte in einem Video, dessen Ermordung sei eine nationale und internationale Verschwörung gegen das haitianische Volk gewesen. Er rufe alle Banden auf, zu mobilisieren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juli 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.