Haitis Interims-Premierminister Ariel Henry hält Ende Juli 2021 eine Rede. | AFP

Mord an Haitis Präsident Moïse Interims-Regierungschef unter Verdacht

Stand: 15.09.2021 04:49 Uhr

Die Ermittlungen zum Mord am früheren Präsidenten Haitis, Moïse, dauern an - und nun rückt der Mann an der Spitze der derzeitigen Übergangsregierung in den Fokus. Offenbar will die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Ariel Henry erheben.

Nach der Ermordung von Haitis Staatspräsident Jovenel Moïse hat die Staatsanwaltschaft eine Anklage des Interims-Premierministers Ariel Henry beantragt. Das geht aus einem Schreiben der Staatsanwaltschaft an den zuständigen Richter hervor, aus dem Medien übereinstimmend berichteten. Henry wurde demnach zudem in einem weiteren Brief an die Einwanderungsbehörde des Karibikstaates die Ausreise untersagt.

In letzterem Schreiben - das in sozialen Medien verbreitet wurde, dessen Echtheit sich zunächst jedoch nicht bestätigen ließ - heißt es, es gebe schwerwiegende Anschuldigungen gegen Henry wegen Moïses Ermordung. Was ihm genau vorgeworfen wird, war zunächst unklar.

Wenige Stunden nach Bekanntwerden der zwei Briefe des Staatsanwalts Bed-Ford Claude teilte Henrys Büro mit, Claude sei ersetzt worden. In einem entsprechenden Schreiben von Henry, das vom Montag datiert war und das haitianische Medien am Dienstag verbreiteten, wird Claudes Entlassung mit "schwerem administrativem Fehler" begründet.

Telefonate mit Hauptverdächtigem?

Die Nachrichtenagentur AP zitierte den Generalstaatsanwalt Bedford Claude. Es gebe genügend Verdachtsmomente für eine Anklage gegen Henry. Darum sollten ihn die Behörden nicht mehr ins Ausland reisen lassen. Weiterhin heißt es, Claude habe Henry aufgefordert, zu zwei Telefonaten Stellung zu nehmen. Die betreffenden Gespräche soll er kurz nach Moïses Ermordung am 7. Juli geführt haben - und zwar mit Joseph Badio, einem der Hauptverdächtigen in den Ermittlungen rund um den Präsidentenmord. Badio solle sich zum Zeitpunkt der Telefonate in der Nähe des Tatortes aufgehalten haben.

Noch im August habe die Übergangsregierung Claude versichert, der Interims-Premierminister habe niemals mit Badio gesprochen, schreibt die AP unter Berufung auf den Staatsanwalt weiter. In der Vergangenheit hatte Badio für das Justizministerium und die Anti-Korruptionsabteilung der Regierung gearbeitet. Im Mai wurde er wegen mutmaßlicher Regelverstöße entlassen.

Henry von ermordetem Moïse zum Premier ernannt

Moïse hatte das Amt des Präsidenten im Februar 2017 übernommen. In der Nacht zum 7. Juli dieses Jahres wurde der damals 53-Jährige in seiner Residenz von einer schwer bewaffneten Kommandotruppe überfallen und erschossen. Nach Polizeiangaben führten kolumbianische Söldner den Mord aus. Nach der Tat wurden mehr als 40 Verdächtige festgenommen, unter ihnen auch die aus Kolumbien stammenden Ex-Soldaten. Badio sowie ein früherer Senator werden laut AP nach wie vor von der Polizei gesucht.

Keine 36 Stunden vor seinem Tod hatte Moïse selbst Henry zum neuen Premierminister des Landes ernannt. Da Henry aber nicht mehr unter Moïse vereidigt werden konnte, blieb vorerst sein Vorgänger, Claude Joseph, im Amt. Rund zwei Wochen später trat Joseph jedoch zurück und zwei Tage später wurde die derzeitige Übergangsregierung unter Henry vereidigt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. September 2021 um 21:00 Uhr.