Ein Fahrzeug mit der Aufschrift "Police" passiert Port-au-Prince eine brennende Straßensperre.  | AP

Bandenkriminalität Hunderte Gewaltopfer in Haiti

Stand: 16.07.2022 20:27 Uhr

Die Lage in Haiti gerät zunehmend außer Kontrolle. In einem Armenviertel der Hauptstadt Port-au-Prince wurden allein in diesem Monat Hunderte Menschen getötet oder verletzt. Die Appelle der UN klingen verzweifelt.

Haiti leidet immer mehr unter organisierter Kriminalität und brutaler Gewalt. Nach UN-Angaben wurden innerhalb von fünf Tagen allein in einem dicht besiedelten Armenviertel in der Hauptstadt Port-au-Prince mehr als 230 Menschen getötet oder verletzt.

Die Menschen seien zwischen dem 8. und 12. Juli der Bandenkriminalität im Viertel Cité Soleil zum Opfer gefallen, teilte das UN-Hochkommissariat mit. Die meisten der Opfer hatten den Angaben zufolge keine direkten Verbindungen zu den kriminellen Banden. Allein in der ersten Jahreshälfte registrierten die UN in Haiti im Zusammenhang mit Gewalttaten 934 Todesfälle, 684 Verletzte und 680 Entführungen.

Karte: Cité Soleil auf Haiti

"Wir fordern die Behörden nachdrücklich auf, dafür zu sorgen, dass alle Menschenrechte geschützt und in den Mittelpunkt der Maßnahmen zur Bewältigung der Krise gestellt werden", heißt es in einer veröffentlichten Mitteilung des UN-Menschenrechtsbüros. Der Kampf gegen Straflosigkeit und sexuelle Gewalt sowie die Stärkung der Menschenrechtsüberwachung müssten Priorität haben.

UN-Mission verlängert

Am Freitag hatte der UN-Sicherheitsrat alle Mitgliedstaaten aufgerufen, Waffenlieferungen an Banden in Haiti zu unterbinden. Die Lieferung "kleinkalibriger Waffen und Munition an nichtstaatliche Akteure" müsse verboten werden, hieß es in der Resolution, die Mexiko und die USA eingebracht hatten. Sie sieht auch die Möglichkeit vor, Bandenchefs mit individuellen Sanktionen zu belegen.

Zudem verlängerte der Sicherheitsrat die bestehende UN-Mission in dem Karibikstaat um ein weiteres Jahr bis Mitte Juli 2023.

Karibikstaat mit vielen Problemen

Haiti gilt als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Es wurde in den vergangenen Jahren von Naturkatastrophen wie Erdbeben und Wirbelstürmen sowie politischen Unruhen und Kriminalität destabilisiert. Im vergangenen Jahr wurde Präsident Jovenel Moïse ermordet. Seitdem führt Ariel Henry als Ministerpräsident die Regierung, ein Termin für Neuwahlen steht noch nicht fest.

Derzeit hat die Bevölkerung auch mit einem starken Anstieg der Lebensmittelpreise und mit Treibstoffmangel zu kämpfen.

Karte: Haiti

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juli 2022 um 20:00 Uhr in den Nachrichten.