Ein Mann sitzt vor einem eingestürzten Beerdigungsinstitut in Les Cayes, Haiti. | dpa

Haiti Zahl der Erdbebentoten steigt weiter

Stand: 19.08.2021 09:14 Uhr

Nach dem schweren Erdbeben in Haiti gibt es immer mehr Todesopfer. Laut Zivilschutzbehörde stieg die Zahl um mehr als 200 auf 2189. Rund 300 Menschen gelten noch als vermisst. In vier Provinzen gilt der Ausnahmezustand.

In Haiti gilt nach dem verheerenden Erdbeben vom Samstag in vier betroffenen Provinzen weiterhin der Ausnahmezustand. Die Zahl der Todesopfer ist weiter gestiegen. Laut Zivielschutzbehörde liegt die Zahl der bestätigten Toten nun bei 2189. Auch die Zahl der Verletzten stieg weiter an und liegt bei 12.268. Der Behörde zufolge gelten noch 332 Menschen als vermisst.

Durch das Erdbeben der Stärke 7,2 im Südwesten Haitis waren mehr als 37.000 Häuser zerstört oder beschädigt worden. 30.000 Familien haben kein Dach mehr über dem Kopf.

Die Karte zeigt Haiti mit Saint-Louis-du-Sud und dem Epizentrum des Erdbebens

"Das Land ist äußerlich und innerlich zerstört"

Ministerpräsident Ariel Henry sagte, er sei noch nicht bereit, die Suchaktion zu beenden. "Einige unserer Bürger sind immer noch unter den Trümmern." Gleichzeitig rief er die Haitianer zur Einheit auf. "Wir müssen unsere Köpfe zusammenstecken, um Haiti wiederaufzubauen. Das Land ist äußerlich und innerlich zerstört."

Regierung sichert Unterstützung zu

Henry versicherte, dass er persönlich dafür sorgen werde, dass die Unterstützung anders als beim Erdbeben von 2010 auch diejenigen erreichen werde, die sie brauchten. Man werde die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. In dem verarmten Land, das sich noch nicht vollständig von einem verheerenden Erdbeben im Jahr 2010 erholt hatte, wurden zehntausende Gebäude zerstört oder beschädigt.

Zahlreiche Menschen sind nach Angaben von Experten weiterhin ohne Schutz. "Wir haben ernsthafte Probleme, die Menschen unterzubringen, die ihre Behausungen durch das Erdbeben verloren haben. Die Lage ist unübersichtlich und chaotisch. Die Leute sind dem Regen ausgesetzt", sagte Jean Stenio Pierre, UNICEF-Leiter in Les Cayes in Haiti, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" "Es gab auch einige schwache Nachbeben. Viele zögern weiterhin, in die noch intakten Gebäude zurückzukehren."

Regenfälle erschweren die Hilfe

Anfänglich hätten Helfer "erhebliche Probleme" gehabt, das betroffene Gebiet zu erreichen, "vor allem wegen der Sicherheitslage auf einigen Verbindungswegen, die von Banden kontrolliert werden", erklärte Pierre. "Den Behörden und verschiedenen Organisationen ist es gelungen, die Einrichtung eines humanitären Korridors auszuhandeln." Noch immer seien einige Gebiete nicht zugänglich, der Regen erschwere die Hilfe zusätzlich. "Unterdessen werden Schwerverletzte mithilfe der Behörden, ausländischer Regierungen und internationaler Organisationen in andere Krankenhäuser außerhalb des Katastrophengebiets verlegt."

Die Behörden seien auf eine solche Katastrophe nicht vorbereitet gewesen, sagte Pierre. "Jede Art von Hilfe ist nun dringend notwendig. Der Mangel ist außerordentlich." Die Hilfe dürfe sich nicht auf urbane Zentren beschränken. "Gerade in einigen peripheren Vierteln ist die Zerstörung durch das Beben erschreckend. Alle verfügbaren Kräfte müssen nun in der Region aufgeteilt werden." Die haitianische Regierung benötige internationale Hilfe. Insgesamt brauche das Land dringend mehr Stabilität.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. August 2021 um 09:00 Uhr.