Auf einer Straße in Guadeloupe haben Demonstranten eine Blockade aus Reifen und Holz angezündet. | AFP

Überseegebiet Guadeloupe Macron warnt vor "explosiver" Situation

Stand: 22.11.2021 12:09 Uhr

Seit Wochen kommt es zu gewaltsamen Protesten auf Guadeloupe. Frankreichs Corona-Maßnahmen, die auch auf der Karibikinsel gelten, stoßen dort teils auf massiven Widerstand. Präsident Macron ist deshalb besorgt, drängt aber aufs Impfen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat sich angesichts der anhaltenden Proteste im Überseegebiet in Guadeloupe besorgt gezeigt. Die Situation auf der karibischen Insel sei "sehr explosiv", sagte er. Guadeloupe müsse unbedingt die Corona-Impfkampagne voranbringen.

Frankreich schickte am Sonntag Elitetruppen und Anti-Terror-Einheiten nach Guadeloupe. Die Spezialkräfte seien bereits kurz nach ihrer Ankunft an die Arbeit gegangen und hätten Straßenblockaden geräumt, teilte die Polizei mit.

Plünderungen und Demos gegen Corona-Maßnahmen

Seit Wochen kommt es zu gewaltsamen Demonstrationen und Plünderungen, nachdem eine Impfpflicht für alle Beschäftigten im Gesundheitswesen eingeführt worden war. Gewerkschaften prangern zudem den Corona-Pass an, der für den Zutritt zu Restaurants und Cafés, Kulturstätten und Sportanlagen erforderlich ist. Den Pass bekommt nur, wer vollständig gegen das Virus geimpft ist, eine Infektion überstanden hat oder kürzlich negativ getestet wurde.

Paris hatte angesichts der Ausschreitungen auf der Karibikinsel am Freitag eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. In der Nacht zu Sonntag nahm die Polizei 38 Menschen wegen Verstößen gegen die Auflagen fest. Zwei Sicherheitskräfte wurden verletzt, als Randalierer Geschäfte plünderten und in Brand steckten.

Demonstranten hätten auch auf Sicherheitskräfte und Feuerwehrleute geschossen, teilten die Behörden mit. Es seien "organisierte Banden" an den Unruhen beteiligt. Frankreichs Regierungssprecher Gabriel Attal bezeichnete die Situation als "unerträglich und inakzeptabel" und versprach ein hartes Vorgehen gegen eine "kleine Minderheit".

"Wir wissen nicht, wie weit das noch gehen wird"

Derzeit gilt eine Ausgangssperre zwischen 18.00 Uhr und 05.00 Uhr, vorerst bis Dienstag. Bis Mitte November hatten in Guadeloupe rund 90 Prozent des Gesundheitspersonals, aber nur gut 46 Prozent aller über 18-Jährigen mindestens eine Impfdosis erhalten. In ganz Frankreich liegt die allgemeine Impfquote bei rund 75 Prozent der Bevölkerung.

Die Behörden in Guadeloupe warnten vor einer Eskalation der anhaltenden Proteste. "Wir wissen nicht, wie weit das noch gehen wird", sagt der Bürgermeister von Pointe-a-Pitre, Harry Durimel, dem Radiosender France Info. Laut Medienberichten waren am Sonntag Randalierer in ein Waffendepot in der größten Stadt von Guadeloupe eingebrochen und hätten dabei Gewehre gestohlen. Durimel forderte die französische Regierung auf, den Frieden auf der Inselgruppe wiederherzustellen.

Auf der benachbarten Insel Martinique, ebenfalls ein französisches Überseegebiet, ist für heute ein Generalstreik gegen die Corona-Maßnahmen aus Paris angekündigt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. November 2021 um 15:05 Uhr.