Goldmedaillen der Olympischen Winterspiele in China. | dpa

USA, China und die Olympischen Spiele Goldmedaillen beim Feind

Stand: 03.02.2022 11:10 Uhr

Auch in den USA werden die Olympischen Winterspiele kontrovers diskutiert, wegen der mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen in China. Wie andere Staaten auch werden die USA die Spiele diplomatisch boykottieren.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

China ist ein Thema mit dem sich US-Politiker profilieren: Der US-Kongress lud vergangenen Mai zu einer Anhörung über die Menschenrechtsverletzungen in China und die Winterspiele. Der Abgeordnete Michael Waltz brachte sogar eine Initiative ein, die verlangte, die Spiele neu zu vergeben.

Torsten Teichmann ARD-Studio Washington

Doch am Ende war auch in Washington niemand bereit, den Sportlern von Team USA zu erklären, dass sie auf ihre Teilnahme in Peking verzichten müssen. Stattdessen verkündete die Sprecherin im Weißen Haus, Jen Psaki einen sogenannten diplomatischen Boykott.

Die Biden-Regierung wird keine diplomatischen oder offiziellen Vertreter zu den Olympischen Winterspielen in Peking 2022 und den Paralympics entsenden. Mit Hinweis auf den anhaltenden Völkermord und die Verbrechen Chinas gegen die Menschlichkeit in der Provinz Xinjiang und andere Menschenrechtsverletzungen.

Psaki meint zum Beispiel Chinas Umerziehungslager für die Bevölkerungsgruppe der Uiguren und Zwangsarbeit in der Provinz Xinjiang. China hat diese Vorwürfe zurückgewiesen und feiert die Winterspiele nun mit Autokraten wie dem russischen Präsidenten Putin.

"Politik könnte mehr tun"

Sophie Richardson von der Organisation Human Rights Watch hält die Entscheidung der US-Regierung für richtig. Richardson war zu Gast beim Zentrum für Strategische und Internationale Studien in Washington: "Die Spiele komplett zu boykottieren, würde unfairerweise die Sportler bestrafen", sagt sie. "Die haben nicht entschieden, in welchem Land die Wettbewerbe ausgetragen werden. Aber Politiker zu entsenden, während die chinesische Führung nach unserer Auffassung weiter Menschenrechtsverbrechen begeht, würde Chinas Verhalten in inakzeptable Weise politisch legitimieren."

Doch die Politik könne noch mehr tun, meint Richardson. Zum Beispiel Ermittlungen gegen chinesische Politiker einleiten, die nachweislich für Menschenrechtsverstöße verantwortlich sind. Das würde die Konfrontation mit China zusätzlich eskalieren.

Kritik an Sponsoren der Winterspiele

Und so konzentriert sich Politiker in den USA eher auf die Sponsoren. Auf US-Unternehmen wie Coca Cola, Intel, Procter&Gamble oder Airbnb, die als Partner des Internationalen Olympischen Komitees teils seit Jahrzehnten die Spiele finanzieren.

Anna Ashton vom Asia Policy Institut nimmt die Firmen in Schutz:

Wie die Sportler sind auch die Unternehmen nicht an der Entscheidung beteiligt, wo die Spiele ausgetragen werden. Und trotzdem stellen es Abgeordnete im Kongress so dar, als würden sie mit ihren Sponsorengeldern indirekt oder ausdrücklich Völkermord unterstützen.

Für die Sponsoren sei es ein schmaler Grad, sagt der Mark Conrad im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Conrad unterrichtet Sportrecht – und Sportethik in New York. Unternehmen wollen sichtbar sein, erklärt Conrad, aber zu große Nähe zur chinesischen Politik vermeiden. Und so bemühen sich Wirtschaft und Politik in den USA um Kompromisse. Eine Verhaltensänderung der Kommunistischen Partei in China werden sie so nicht erreichen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Februar 2022 um 09:48 Uhr.