Das Grab eines getöteten Umweltaktivisten in Mexiko | dpa

Studie von Global Witness Weltweit 227 Umweltschützer ermordet

Stand: 13.09.2021 04:35 Uhr

Es ist ein trauriger Negativrekord: Noch nie sind so viele Umweltschützer weltweit getötet worden. Die NGO Global Witness zählt 227 Aktivisten, die 2020 ermordet wurden. Drei Viertel von ihnen starben in Lateinamerika.

Der Kampf gegen Landnahme und Raubbau an der Natur wird immer gefährlicher: Im vergangenen Jahr sind weltweit 227 Umweltschützer getötet worden, wie die Nichtregierungsorganisation Global Witness bei der Vorstellung einer neuen Studie mitteilte. Das waren mehr als vier Morde pro Woche und mehr als jemals zuvor.

Drei Viertel der tödlichen Angriffe wurden in Lateinamerika registriert. In Kolumbien wurden 65 Naturschützer und Umweltaktivisten getötet, in Mexiko 30 und in Brasilien 20. Die Organisation geht allerdings davon aus, dass die tatsächliche Zahl der getöteten Umweltschützer noch deutlich höher liegt. "2020 war das bislang schlimmste Jahr. Die Aggressionen gegen Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten haben stark zugenommen", sagt Lourdes Castro von der kolumbianischen Nichtregierungsorganisation Somos Defensores. "Am häufigsten geraten Indigene ins Visier, die ihre angestammten Ländereien verteidigen." 2019 waren 212 Umweltaktivisten weltweit getötet worden.

Unternehmen, Regierungen und Banden als Täter

Hinter den Gewalttaten stecken meist Unternehmen, Bauern und teilweise auch staatliche Akteure sowie kriminelle Banden, paramilitärische Gruppen und Rebellen. Weltweit standen die meisten Morde an Umweltschützern im Zusammenhang mit der Forstwirtschaft, gefolgt von Wasser- und Dammbauprojekten und der Landwirtschaft, wie aus dem Bericht von Global Witness hervorgeht.

"Solange die Regierungen den Schutz der Umweltaktivisten nicht ernst nehmen und die Unternehmen nicht anfangen, die Menschen und den Planeten vor den Profit zu stellen, werden sowohl der Klimazusammenbruch als auch die Morde weitergehen", sagt Chris Madden von Global Witness. "Jene, die im Kampf gegen die Klimakrise ihr Leben riskieren, um die Wälder, Flüsse und Ökosysteme zu retten, tragen eine schwere Last. Das muss aufhören."

Auch Drohungen und Verleumdungen

Neben Gewalttaten und Morden haben auch Bedrohungen, Verleumdungskampagnen und juristische Verfahren gegen Umweltschützer zugenommen. Nach Einschätzung des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) werden Aktivisten immer häufiger im Internet ausgespäht und bedroht. "Unterdrückung, Einschüchterung und offene Überwachung können die Motivation der Aktivisten und ihre psychische Gesundheit stark beeinträchtigen", heißt es in einem Bericht von SIPRI. Experten sind sich einig, dass gerade angesichts des Klimawandels dem konsequenten Schutz der Natur und dem Erhalt der Ökosysteme auch eine globale Bedeutung zukommt. Deshalb fordern sie einen besseren Schutz der Aktivisten.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell in den Nachrichten am 13. September 2021 um 15:30 Uhr.