FBI-Kräfte vor der Synagoge | AP

Gewalttat in Synagoge in Texas Geiselnehmer wollte wohl Islamistin freipressen

Stand: 16.01.2022 09:25 Uhr

Zehn Stunden lang hielt ein Mann Geiseln in einer Synagoge im US-Staat Texas in seiner Gewalt. Die Polizei konnte alle Geiseln befreien, der Geiselnehmer wurde erschossen. Er wollte offenbar eine inhaftierte Islamistin freipressen.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Zum Schluss ging es dann ganz schnell: Sicherheitskräfte stürmten die Synagoge, erschossen den Geiselnehmer und befreiten die verbliebenen drei Geiseln, die unverletzt sind. Um neun Uhr abends sei das Spezial-Einsatzkommando in die Synagoge eingedrungen und habe die Geiseln befreit, sagte der Polizeichef von Colleyville, Michael Miller, nach dem Einsatz.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

Der zuständige FBI-Chef aus Dallas, Matthew DeSarno, ergänzte, die Geiseln bräuchten keine medizinische Behandlung. Sie könnten bald wieder zu ihren Familien zurückkehren. Über die Identität des Geiselnehmers wollte sich das FBI nicht äußern. "Wir wissen, wer der Geiselnehmer ist, können aber noch nicht mehr sagen", so DeSarno.

Der Angriff habe jedoch nicht direkt der jüdischen Gemeinde von Colleyville gegolten, vielmehr sollte wohl die Freilassung einer Strafgefangenen erpresst werden. Dabei handelt es sich um Aafia Siddiqui, eine pakistanische Staatsbürgerin, die wegen terroristischer Aktivitäten eine Haftstrafe von 86 Jahren in einem texanischen Gefängnis verbüßt.

Studium an Elite-Uni in den USA

Die Wissenschaftlerin war 2010 verurteilt worden, unter anderem wegen versuchten Mordes und bewaffnetem Angriff auf US-Staatsangehörige in Afghanistan. Andrew McCabe war damals als stellvertretender FBI-Direktor an dem Prozess beteiligt. Er habe den Fall untersucht, nachdem sie in Afghanistan versucht hatte, zwei FBI-Agenten und zwei Armeeangehörige zu erschießen, erzählt er.

Siddiqui hat in den USA studiert, am renommierten Massachussetts Institute of Technology. Anschließend promovierte sie an der Brandeis Universität. 2008 wurde sie in Afghanistan von der afghanischen Polizei verhaftet, nachdem eine Liste mit möglichen Anschlagsopfern bei ihr sichergestellt worden war.

Der zuständige FBI-Chef Matthew DeSarno während der Pressekonferenz nach dem Ende der Geiselnahme | AFP

DeSarno während der Pressekonferenz nach dem Ende der Geiselnahme. Bild: AFP

"Eine Art Berühmtheit" in islamistischen Kreisen

Als sie danach von US-Militärpersonal zu der Liste befragt werden sollte, entwand sie einem US-Soldaten die Waffe und eröffnete das Feuer auf die Anwesenden. Niemand wurde verletzt. Seit dem Angriff sei Siddiqui "eine Art Berühmtheit" in islamistischen Kreisen geworden, sagt der frühere FBI-Ermittler.

US-Boulevardmedien hatten ihr den Spitzname "Lady Kaida" gegeben - als Anspielung auf das Terrornetzwerk Al-Kaida. Sie sei als Antisemitin bekannt, so McCabe, habe sich während des Prozesses wiederholt entsprechend geäußert.

Derzeit sitzt Siddiqui in einem Gefängnis in Fort Worth ein, unweit der Synagoge von Colleyville. Ihr Anwalt betonte am Abend, seine Mandantin sei in keiner Weise beteiligt gewesen an der beendeten Geiselnahme und versuchten Freipressung.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 16. Januar 2022 um 09:00 Uhr.