Zwei Anghörige umarmen einander am National September 11 Memorial in New York. | AP

20 Jahre nach 9/11 "Wir vergessen nicht"

Stand: 11.09.2021 21:34 Uhr

Die Erinnerung an die Anschläge vom 11. September 2001 bleibt prägend für die USA - auch 20 Jahre später. Beim Gedenken an die rund 3000 Opfer riefen Angehörige und Politiker die Nation zur Einheit auf.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Es ist eine Feier des Nachhalls und des Schweigens, die mit einem Glockenschlag beginnt - um 8:46 Uhr, dem Moment, an dem genau vor 20 Jahren die erste Passagiermaschine ins World Trade Center einschlug. Flug 11 der American Airlines auf dem Weg von Boston nach Los Angeles mit 92 Menschen an Bord.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Mark Low, der Vater einer Flugbegleiterin, macht mit seinen Worten auf der Gedenkfeier in New York den Anfang:

Jahrelang haben wir im Namen unserer Tochter gesprochen, damit mehr Vorsichtmaßnahmen ergriffen werden. Und auch, damit an Geschichte nicht nur mit Zahlen und Daten erinnert wird, sondern mit den Gesichtern von ganz normalen Menschen, mit Gesichtern wie dem meiner Tochter Sarah.

Angehörige verlesen Namen der Opfer

Hinter allen rund 3000 Namen der Opfer stecken Geschichten, die auch 20 Jahre nach den Anschlägen für die meisten nicht verblasst sind. Angehörige verlesen sie wie jedes Jahr. Stundenlang. Unter demselben stahlblauen Himmel wie damals. Als ein Flugzeug über das Gelände fliegt, gehen die Köpfe nach oben. Und fast alle denken dasselbe. Tränen fließen, als überraschend Sänger Bruce Springsteen in einem schwarzen Anzug aufs Podium kommt - mit seinem Song "I'll see you in my dreams".

Gegenüber in der Feuerwache formieren sich Feuerwehrmänner mit weißen Handschuhen zum Gruß. Aus dem offenen Tor hinter ihnen rückten an jenem Tag ihre Kollegen aus, um anderen das Leben zu retten. Hunderte kamen damals nicht zurück. Eine Angehörige liest mit brechender Stimme: "Mein Vater, Daniel J. Brethel, von der New Yorker Feuerwehr. Wir lieben dich und vermissen dich jeden Tag."

Biden, Obama und Clinton nehmen teil

Viele Ersthelfer und Mitarbeiter von Airlines haben sich um die granitgrauen, rauschenden Wasserbecken versammelt, wo einst die Fundamente des World Trade Centers eingelassen waren. Fast nebensächlich wirken dahinter die Mächtigen: Präsident Joe Biden mit Frau Jill, seine Vorgänger Barack Obama mit Ehefrau Michelle und Bill und Hillary Clinton.

Bill Clinton, Hillary Clinton, Barack Obama, Michelle Obama, Joe Biden, Jill Biden, Michael Bloomberg, Diana Taylor, Nancy Pelosi und Charles Schumer stehen zur Nationalhymne bei der Gedenkfeier für die Opfer von 9/11 in New York. | AP

Neben dem aktuellen nahmen auch mehrere ehemalige Präsidenten an der Gedenkfeier teil. Bild: AP

Biden reist anschließend auch an die anderen beiden Orte der Anschläge, ins Pentagon und nach Pennsylvania, nahe der Ortschaft Shanksville. Er spricht nirgends, sondern hat am Vortag seine Botschaft per Video geschickt:

Wir haben gelernt, dass Einheit das einzige ist, das nie in die Brüche gehen kann. Einheit macht uns zu dem, was wir sind. Die beste Seite von Amerika.

Diesen Ruf wiederholt nicht nur der republikanische Ex-Präsident George W. Bush, der am 11. September 2001 im Amt war. Auch Angehörige haben diesen Wunsch - um der Opfer würdig zu gedenken: "Wenn wir sagen: 'Wir vergessen nicht', dann ist das nicht nur eine Phrase. Sondern dann heißt das, dass wir niemals die Einigkeit vergessen sollten, die wir nach den Anschlägen gefühlt haben. Darauf kommt es an."

Trump attackiert Biden

Nur einer nutzt den Gedenktag für Attacken gegen seinen Nachfolger: Ex-Präsident Donald Trump holt gegen Biden aus, wirft ihm dem Demokraten "Inkompetenz" beim Afghanistan-Abzug vor. Biden habe wie ein "Dummkopf" gewirkt. Trump kommt erst zur Gedenkveranstaltung in seiner Heimatstadt, als alles schon vorbei ist. Anschließend fliegt er nach Florida zurück - um einen Boxkampf zu kommentieren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. September 2021 um 20:00 Uhr.