Freda Huson | dpa
Porträt

Freda Huson "Sie können uns nicht noch mehr Land nehmen"

Stand: 29.09.2021 11:01 Uhr

Freda Huson kämpft gegen den Landraub an Kanadas Indigenen. Als Wet'suwet'en-Oberhaupt erhält sie den Alternativen Nobelpreis - und hat eine landesweite Solidaritätsbewegung angestoßen.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Freda Huson ist nur knapp 1,50 Meter groß aber kämpferisch: Spätestens, seit sie sich im Februar vergangenen Jahres Beamten der kanadischen Polizei entgegenstellte und abgeführt wurde, ist die 57-Jährige im ganzen Land bekannt.

Peter Mücke ARD-Studio New York

Huson ist sogenannte Hereditary Chief des indigenen Volkes der Wet'suwet'en im Nordwesten Kanadas, in der Provinz British Columbia. Und ihr Protest richtet sich gegen die umstrittene Coastal GasLink Pipeline, die durch das Gebiet der Wet'suwet'en führen soll:

"Wir senden eine Botschaft an die Provinz und die Regierung in Ottawa. Sie können uns nicht noch mehr indigenes Land abnehmen", erklärte sie damals vor Journalistinnen und Journalisten. "Wir protestieren friedlich, wir sind nicht aggressiv, wir wollen niemanden verletzen. Aber wir wollen, dass sie uns ernst nehmen, dass wir dieses Land schützen wollen für unsere Kinder und Enkel."

Howihkat (Freda Huson) | picture alliance / empics

Howihkat (Freda Huson) ist Hereditary Chief des indigenen Volkes der Wet’suwet’en im Nordwesten Kanadas. Bild: picture alliance / empics

Landesweite Proteste angestoßen

Doch die Polizei räumte die Blockaden von Freda Huson und ihren Mitstreitern - Proteste in ganz Kanada waren die Folge. Unterstützer - darunter viele Klimaaktivsten - blockierten tagelang Zugstrecken im ganzen Land. Der lokale Protest war zu einer nationalen Bewegung geworden, mit der viele sich solidarisierten - und Kanadas Indigene fanden Gehör:

Wir haben ohnehin nicht mehr viel Land. Sie haben uns schon so viel weggenommen. Was wir noch haben, nutzen wir: Wir jagen, pflücken Beeren und lehren die Kinder unsere Kultur.

"Healing Center" anstelle der Internate

Um auf den Pipeline-Bau und die Folgen für ihre indigene Gemeinschaft aufmerksam zu machen, reiste sie 2019 zu den Vereinten Nationen nach New York. Bei einem speziellen Forum erhob sie dabei auch schwere Vorwürfe gegen die kanadische Regierung: "Sie wollen uns von unserem eigenen Land vertreiben. Es ist Teil eines Völkermords. Sie wollen uns das Recht an unserem Land absprechen. Wir sind aber auf das Land angewiesen", sagte sie vor den UN.

Zuletzt ist das Schicksal der sogenannten First Nations in Kanada wieder stärker in den Blickpunkt gerückt. In der Nähe ehemaliger Internate für indigene Kinder sind in den vergangenen Monaten mehr als 1000 Gräber gefunden worden.

Etwa 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren waren von 1874 bis in die 1990er Jahre von ihren Familien getrennt und in spezielle Internate geschickt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen.

"Sie werden dieses Land schützen"

Vor allem für sie hat Huson vor einigen Jahren das Unist'ot'en Healing Center gegründet - an einem Berghang auf ihrem Land: "Der kanadische Staat hat alles getan, um in den Internatsschulen unseren Kindern den Indianer auszutreiben", drückte sie das Ziel des Zentrums damals aus. "In unserem Healing Center wollen wir ihnen den Indianer zurückgeben, sodass wir wieder ein starkes Volk sein können."

Die Kinder sollten wieder Verbindung zum Land haben: "Spirituell, kulturell und psychisch. Dann kann sie niemand von ihrem Land vertreiben. Und sie werden dieses Land schützen für die künftigen Generationen."

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 29. September 2021 um 16:11 Uhr.