Medaria Arradondo, POlizeichef von Minneapolis

George-Floyd-Prozess Polizeichef belastet Angeklagten

Stand: 06.04.2021 07:55 Uhr

Im Prozess um den gewaltsamen Tod von George Floyd hat der Polizeichef von Minneapolis dem angeklagten Ex-Polizisten Chauvin Regelverstöße vorgeworfen. Dieser habe Werte und Prinzipien der Polizeiarbeit missachtet.

Der Chef der Polizei in der US-Stadt Minneapolis hat vor Gericht das Vorgehen des angeklagten Ex-Beamten Derek Chauvin gegen den getöteten Afroamerikaner George Floyd verurteilt. "In keiner Weise" entspreche es den Richtlinien, der Ausbildung oder der Ethik und Werte der Polizei, dass Chauvin sein Knie auch dann noch auf den Nacken von Floyd gepresst habe, als dieser bereits auf dem Bauch am Boden lag, die Hände hinter dem Rücken gefesselt hatte und keinen Widerstand mehr zeigte, sagte Medaria Arradondo im Zeugenstand.

So etwas werde auch nicht an Polizeiakademien gelehrt. Das sei "ganz sicher nicht Teil unserer Ethik und Werte", sagte Arradondo, der erste schwarze Polizeichef der Stadt. "Es hätte aufhören müssen, als Herr Floyd aufhörte, sich zu wehren, und ganz gewiss als er in Not war und versucht hat, das zu verbalisieren", so Arradondo. Er hatte Chauvin und drei weitere Beamte am Tag nach Floyds Tod im Mai 2020 entlassen, im Juni hatte er von "Mord" gesprochen.

Keine erste Hilfe geleistet

Der Ex-Polizist Chauvin ist in dem Prozess der Tötung Floyds bei einer brutalen Festnahme am 25. Mai 2020 angeklagt. Videoaufnahmen zeigen, wie der weiße Beamte dem schwarzen Floyd rund neun Minuten lang das Knie auf den Hals drückt - auch dann, als der gefesselt am Boden liegende 46-Jährige immer wieder über Atemnot klagt und sich nicht mehr rührt.

Arradondo sagte weiter aus, Chauvin habe offenbar nicht, wie von den Regeln gefordert, nur leichten bis mäßigen Druck auf Floyds Hals ausgeübt. Zudem hätte er früher loslassen und Floyd noch vor Eintreffen eines Krankenwagens Erste Hilfe leisten müssen. Auch sei Chauvin nicht wie vorgeschrieben deeskalierend vorgegangen.

Die Kommandeurin der polizeilichen Ausbildungseinheit zum Zeitpunkt von Floyds Tod, Katie Blackwell, sagte im Zeugenstand, Chauvin habe jährlich ein Training in Defensivtaktik erhalten. Dabei sei auch vermittelt worden, zur Fixierung des Nackens einen oder zwei Arme einzusetzen, nicht das Knie.

Ersticken als Todesursache

Vor dem Polizeichef hatte am Montag in dem Prozess ein Arzt der Notaufnahme ausgesagt, in die Floyd eingeliefert worden war. Bradford Langenfeld erklärte, Floyds Herz habe zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr geschlagen. Er habe damals vermutet, dass der Herzstillstand vermutlich von Sauerstoffmangel oder Ersticken ausgelöst worden sei, sagte Langenfeld.

Sanitäter hätten ihm berichtet, dass sie etwa 30 Minuten lang versucht hätten, Floyd wiederzubeleben. Auch Langenfeld versuchte weitere 30 Minuten lang eine Wiederbelebung, stellte aber schließlich den Tod Floyds fest.

Bis zu 40 Jahre Haft

Der Tod Floyds in Minneapolis löste im vergangenen Jahr Proteste und Unruhen aus, auch weit über die Grenzen der USA hinaus. Seit gut einer Woche läuft in Minneapolis das Hauptverfahren gegen Chauvin. Der schwerwiegendste Anklagepunkt lautet auf Mord zweiten Grades ohne Vorsatz, was nach deutschem Recht in etwa Totschlag entspräche. Im Bundesstaat Minnesota stehen darauf bis zu 40 Jahre Haft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. April 2021 um 09:00 Uhr.