Gedenkfeier für George Floyd | REUTERS

Ein Jahr nach Tod Schweigeminute für George Floyd

Stand: 25.05.2021 22:08 Uhr

Vor einem Jahr wurde der Afroamerikaner George Floyd bei einem Polizeieinsatz getötet - der Vorfall löste weltweite Proteste aus. Während in Minneapolis Gedenkfeiern stattfinden, fordern Floyds Angehörige in Washington Polizeireformen.

Mit einer Schweigeminute hat die US-Stadt Minneapolis an George Floyd erinnert, der vor einem Jahr unter dem Knie eines weißen Polizisten erstickte. An einer Zeremonie in einem Park in der Innenstadt nahmen Bürgermeister Jacob Frey, Floyds Schwester Bridgett, zahlreiche Bürger und Aktivisten teil.

Zahlreiche Veranstaltungen

Auch am Ort von Floyds Tod, der Ecke 38th Street und Chicago Avenue in Minneapolis, wurde an den Vorfall erinnert. Die Straße wurde vorübergehend für den Verkehr gesperrt. Die Feierlichkeiten mit dem Titel "Rise and Remember George Floyd" bildeten den Höhepunkt einer Serie von Veranstaltungen, darunter Gedenkmärsche, Demonstrationen und Diskussionsrunden zum Thema Rassismus in den USA. Organisiert wurden diese von der Organisation George Floyd Global Memorial.

Der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, forderte die Menschen auf, zu Ehren Floyds für neun Minuten und 29 Sekunden zu schweigen - solange, wie der Polizist Derek Chauvin sein Knie auf Floyds Hals drückte. Auch in anderen US-Städten, etwa New York, fanden Gedenk-Veranstaltungen statt, bei denen die Menschen für fast zehn Minuten niederknieten.

Politischer Protest in Washington

Andere Verwandte Floyds versammelten sich derweil in Washington, um eine Polizeireform im Kampf gegen Rassismus in Amerika voranzutreiben. "Wir müssen zusammenarbeiten um sicherzustellen, dass Menschen in Amerika nicht länger in Angst leben", sagte sein Bruder Philonese Floyd in Washington nach einem Treffen mit Präsident Joe Biden im Weißen Haus. "Die Menschen haben bemerkt, was in Amerika vor sich geht, und deshalb sagen wir 'Genug ist genug'." Auch die demokratische Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, und weitere Abgeordnete waren vor Ort.

Biden hatte vom Parlament verlangt, dass eine Gesetzesvorlage am Jahrestag von Floyds Tod auf seinem Tisch liegen müsse. Demokraten und Republikaner ringen jedoch noch um Einzelheiten des Vorhabens. Ziel war ein Kompromiss, der auch im Senat eine Mehrheit finden kann. Pelosi erklärte bei der Gedenkfeier, das Gesetz müsse rasch verabschiedet werden, damit die Familie Trost finde. Das Weiße Haus wollte sich nicht dazu äußern, wann es mit der Fertigstellung des Entwurfs rechnet.

Angehörige von George Floyd in Washington | AP

Der Bruder von George, Philonise Floyd, spricht am Weißen Haus zu Reportern. Er forderte Reformen der Polizei, um Schwarze besser zu schützen. Bild: AP

Ex-Polizist wegen Tötung schuldig gesprochen

Der Afroamerikaner starb am 25. Mai 2020, nachdem der damalige Polizist Chauvin neuneinhalb Minuten auf seinem Hals gekniet hatte. Ein Handyvideo, das dessen langsames Ersticken festhielt, hatte international für Entsetzen gesorgt und in den USA landesweite Anti-Rassismus-Proteste ausgelöst. Chauvin, der weiß ist, wurde wegen der Tötung im vergangenen Monat schuldig gesprochen. Das Strafmaß für ihn wird am 25. Juni verkündet. Drei weitere beteiligte Beamte warten noch auf ihren Prozess.

Das demokratisch dominierte Repräsentantenhaus verabschiedete im März ein Gesetz, das die Strafverfolgung von einzelnen Polizeibeamten erleichtern würde. Es enthielt auch ein Verbot des Einsatzes von Würgegriffen sowie die Schaffung einer nationalen Datenbank, die disziplinarische Verfehlungen von Beamten auflisten soll. Der Entwurf blieb im Senat hängen, wo das demokratische Lager die Unterstützung von mindestens zehn Republikanern benötigt. Die Republikaner fordern jedoch lediglich Veränderungen an den bestehenden Gesetzen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 25. Mai 2021 um 22:15 Uhr.