Proteste in Minneapolis an der Stelle, wo George Floyd getötet wurde. | AFP
Chronik

Der Tod von Floyd und die Folgen Es begann mit einem Notruf

Stand: 21.04.2021 02:34 Uhr

Der Tod von George Floyd hat die USA verändert, und nur wenige Prozesse haben das Land so in den Bann gezogen wie die Verhandlung gegen den Ex-Polizisten Chauvin. Eine Chronik der Ereignisse.

25. Mai 2020: Gegen 20 Uhr Ortszeit geht bei der Polizei in Minneapolis ein Anruf ein, wonach es in einem Lebensmittelgeschäft einen versuchten Betrug gegeben habe. Vor Ort treffen die Polizisten in einem Pkw einen Mann an, auf den die Beschreibung des Verdächtigen passt und versuchen, ihn festzusetzen. Der Mann, der später als George Floyd identifiziert wird, widersetzt sich seiner Festnahme und wird von den Polizisten auf dem Boden gedrückt und dort in Handschellen fixiert. Fast neun Minuten lang drückt ihm der Polizist Derek Chauvin sein Knie in den Nacken, obwohl Floyd wiederholt ruft, er bekomme keine Luft mehr. Auch Beobachter des Vorgangs weisen die Polizisten darauf hin. Floyd verliert das Bewusstsein und wird in ein Krankenhaus gebracht. Dort wird sein Tod festgestellt.

26. Mai 2020: Die Polizei gibt eine Mitteilung heraus, wonach Floyd sich physisch gewehrt habe, dass er sich in einer medizinischen Notlage befunden habe und nach einem "medizinischem Zwischenfall" gestorben sei. Kurz nach der Erklärung werden erste Videos von der Festsetzung Floyds im Internet veröffentlicht. In einer weiteren Erklärung gibt die Polizei bekannt, dass das FBI zu den Ermittlungen hinzugezogen werde. Vier Polizeioffiziere - Derek Chauvin, Thomas Lane, J. Kueng und Tou Thao, werden aus dem Polizeidienst entlassen. In der Stadt beginnen die Proteste.

Proteste in Minneapolis am 26.5.2020 an der Stelle, wo George Floyd getötet wurde. | AP

Demonstranten versammeln sich am 26.5.2020 in Minneapolis an der Stelle, wo George Floyd getötet
wurde. Bild: AP

27. Mai 2020: Die Proteste schlagen in Minneapolis in Gewalt um. Demonstranten plündern Geschäfte und legen Feuer. Die Proteste greifen auch auf andere US-Städte über. Quer durch die USA werden die letzten Worte Floyds zum Ruf der Demonstranten: "I can't breathe" - "Ich kann nicht mehr atmen". Bürgermeister Jacob Frey fordert, Chauvin vor Gericht zu stellen.

28. Mai 2020: Gouverneur Tim Waltz ruft die Nationalgarde zu Hilfe. In einem Viertel der Stadt setzen Demonstranten eine Polizeistation in Brand, die von Polizisten zuvor aufgegeben worden war.

Barrikaden brennen vor der Polizeistation in Minneapolis. | AFP

Barrikaden brennen am 27.5.2020 vor der Polizeistation in Minneapolis. Bild: AFP

29. Mai 2020: Chauvin wird verhaftet und des Totschlags ("third-degree murder") angeklagt. Im Haftbefehl heißt es, der Polizist habe sein Knie insgesamt acht Minuten und 46 Sekunden auf den Nacken Floyds gedrückt. In den letzten zwei Minuten und 53 Sekunden habe Floyd keine Lebenszeichen mehr gezeigt. Polizisten müssten auf Basis ihrer Ausbildung wissen, dass diese Art des Festhaltens eines Verdächtigen grundsätzlich gefährlich sei. Weiter heißt es in dem Haftbefehl, der Gerichtsmediziner gehe nach vorläufigen Erkenntnissen davon aus, dass Floyd nicht erstickt sei. Der 46-Jährige habe unter anderen gesundheitlichen Problemen gelitten, die gemeinsam mit der Festsetzung und möglichen Rauschmitteln in seinem Blut vermutlich zu seinem Tod geführt hätten. US-Präsident Donald Trump meldet sich zu Wort und bezeichnet die Demonstranten als "Schläger". In einem seiner berüchtigten Tweets droht er: "Wenn die Plünderungen losgehen, geht auch das Schießen los". Nach Informationen der "New York Times" wird Trump angesichts von Protesten in Washington in einen unterirdischen Bunker in Sicherheit gebracht.

30./31. Mai 2020: Die landesweiten Proteste und Ausschreitungen halten das gesamte Wochenende über an. Präsident Trump macht die "Antifa" und andere linke Gruppen für die Proteste und Ausschreitungen im Land verantwortlich und kündigt an, sie zu Terrororganisationen zu erklären.

1. Juni 2020: Der Autopsiebericht stellt fest, dass Floyds Herz und seine Lunge versagt hätten, während er von Chauvin mit dem Knie auf den Boden gedrückt wurde. In den USA wird eine Woche nach dem Tod Floyds an die Ereignisse von Minneapolis erinnert. Auch international solidarisieren sich Bürger mit den Protesten und dem Slogan "Black Lives Matter".

US-Präsident Trump hält eine Bibel in der Hand. | AP

Während Protesten in Washington lässt Trump den Platz vor dem Weißen Haus räumen, um zu Fuß zu einer gegenüberliegenden Kirche zu gehen, wo er demonstrativ eine Bibel in die Hand nimmt. Bild: AP

2. Juni 2020: Präsident Trump fordert die Bundesstaaten auf, härter gegen die Demonstranten vorzugehen und droht damit, das Militär einzusetzen.

3. Juni 2020: Die Staatsanwaltschaft verschärft die Anklage gegen Chauvin und klagt auch drei an der Festsetzung beteiligte Polizisten an.

4. Juni 2020: US-Justizminister William Barr räumt Missstände in der Justiz im Land ein. Zugleich macht er - wie Trump - linke Gruppen und ausländische Akteure für die Demonstrationen verantwortlich.

5. Juni 2020: Minneapolis untersagt die Polizeipraxis, Verdächtige wie im Fall Floyd im Genick zu fixieren. Weitere Polizeireformen folgen in den kommenden Wochen und Monaten.

6. Juni 2020: In den ganzen USA fordern Demonstranten Polizeireformen.

7. Juni 2020: Im Stadtrat von Minneapolis spricht sich eine Mehrheit für die Auflösung der städtischen Polizei aus. Der Vorstoß wird allerdings nicht umgesetzt.

9. Juni 2020: Floyd wird in Houston, wo er aufgewachsen war, beigesetzt.

Die Angehörigen George Floyds gedenken dem Toten an seinem Sarg. | AFP

Die Angehörigen George Floyds gedenken dem Toten an seinem Sarg. Bild: AFP

7. Oktober 2020: Chauvin wird gegen Zahlung von einer Million Dollar auf Kaution freigelassen.

12, Januar 2021: Der zuständige Richter entscheidet, dass das Verfahren gegen Chauvin von dem Prozess der übrigen Angeklagten aus Kapazitätsgründen abgetrennt wird.

9. März 2021: Die Anhörung potentieller Geschworener beginnt.

12. März 2021: Die Stadt Minneapolis erklärt sich bereit, der Familie Floyd 27 Millionen Dollar an Entschädigung zu zahlen.

Derek Chauvin | AP

Derek Chauvin vor Gericht: Die Geschworenen kamen schnell zu einem Urteil. Bild: AP

29. März 2021: Der Prozess gegen Chauvin beginnt in Minneapolis. Im Verlauf des Verfahrens präsentiert die Anklage Zeugen aus der Polizei, die Chauvins Verhalten als Verstoß gegen die Polizeipraxis werten und Mediziner, die Floyds Tod auf die Art der Festsetzung zurückführen. Die Verteidigung stellt Chauvin dagegen als normalen und ehrenhaften Polizisten dar und präsentiert einen Mediziner, der Floyds Tod auf eine Herzerkrankung und möglicherweise auch auf Autoabgase zurückführt.

19. April 2021: Mit den Plädoyers von Anlage und Verteidigung endet die Verhandlungsphase. Die Geschworenen ziehen sich zur Beratung zurück.

20. April 2021: Innerhalb von nur einem Tag kommen die Geschworenen zu einem Urteil. Sie befinden Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig. Das Urteil löst im ganzen Land Erleichterung und Jubel aus.

(Quelle: AP)

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 21. April 2021 um 00:50 Uhr.