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Kartellrecht US-Richter lässt Klage gegen Facebook zu

Stand: 12.01.2022 08:40 Uhr

Die US-Kartellbehörde will erreichen, dass Facebook Instagram und WhatsApp wieder verkaufen muss. Die nachgebesserte Klage wurde nun von einem Bundesgericht angenommen. Am Ende könnte die Zerschlagung des Meta-Konzerns stehen.

Die Wettbewerbsklage, mit der die US-Regierung den Facebook-Mutterkonzern Meta zerschlagen will, ist im zweiten Anlauf von einem Gericht in Washington angenommen worden. Die erste Version hatte Richter James Boasberg im vergangenen Sommer mit Verweis auf eine unzureichende Argumentation abgewiesen. Bei der nachgebesserten Klage sah er den Vorwurf unfairen Wettbewerbs nun viel besser begründet, wie aus Gerichtsdokumenten hervorging. Der Richter wies auch Facebooks Forderung ab, die Klage abzuweisen, weil FTC-Chefin Lina Khan befangen sei.

Streit um Whatsapp und Instagram

Die FTC (Federal Trade Commission) wirft dem Meta-Konzern unter anderem eine Monopolstellung im Markt für Online-Netzwerke vor. Auch habe Meta den Chatdienst WhatsApp und die Fotoplattform Instagram gekauft, um dieses Monopol auf unlautere Weise zu schützen. Deshalb müssten die Übernahmen wieder rückgängig gemacht werden. Das Verfahren dürfte Jahre in Anspruch nehmen.

Mehr Argumente in nachgebessserter Klage

Die ursprüngliche Klage war im Dezember 2020 noch am Ende der Amtszeit des damaligen Präsidenten Donald Trump eingereicht worden, nachgebessert wurde sie unter Führung der von seinem Nachfolger Joe Biden berufenen FTC-Chefin Khan. Wie vom Richter gefordert, lieferte die FTC in der nachgebesserten Klage mehr Argumente, die Facebooks Monopolstellung belegen sollen.

Die Behörde stützt sich dabei vor allem auf die Entwicklung der Nutzerzahlen sowie Analysen zu der Zeit, die Menschen auf der Plattform verbringen. "Die FTC hat diesmal ihre Hausaufgaben gemacht", schrieb der Richter. Er wies allerdings auch diesmal Vorwürfe ab, dass Meta das Zusammenspiel seiner Dienste mit denen anderer Entwickler verhindert habe.

Zugleich versuchte die FTC in der Klage, den Markt für soziale Netzwerke klar zu umreißen. Demnach sind es Plattformen, auf denen Nutzer Kontakte mit Freunden und Familie pflegen und in einem gemeinsamen Raum Beiträge und Erlebnisse teilen. Basierend auf dieser Definition sieht die FTC zum Beispiel Twitter, YouTube und die Videoplattform Tiktok in anderen Kategorien - weil sie mehr auf die Nutzung von Inhalten denn auf persönliche Verbindungen ausgerichtet seien.

Facebook-Konzern zeigt sich zuversichtlich

Der Facebook-Mutterkonzern Meta erklärte per E-Mail, es sei "zuversichtlich, dass die Beweise die grundlegende Schwäche der Behauptungen aufzeigen werden. Unsere Investitionen in Instagram und WhatsApp haben sie zu dem gemacht, was sie heute sind." Sie seien gut für den Wettbewerb und die Menschen und Unternehmen, die sich dafür entschieden hätten.

Facebook hatte Instagram 2012 für etwa eine Milliarde Dollar und WhatsApp 2014 für rund 22 Milliarden Dollar gekauft. Instagram hat inzwischen rund eine Milliarde Nutzer, WhatsApp etwa zwei Milliarden. Die US-Wettbewerbshüter gaben seinerzeit die Übernahmen von Instagram und WhatsApp frei.

Neben der FTC hatte auch ein Bündnis von mehr als 40 Bundesstaaten eine Klage gegen die Deals eingereicht, die von Richter Boasberg im Juni jedoch komplett abgewiesen wurde.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. Januar 2022 um 08:04 Uhr.