Ein F-35-Kampfjet landet auf der Chungju Air Base in Chungju, Südkorea. | AP

US-Kampfjet F-35 Alles- oder Nichtskönner?

Stand: 14.03.2022 18:50 Uhr

Die F-35 ist das teuerste Militär-Projekt der USA. Nun will auch Deutschland die Tarnkappenjets kaufen. Doch über die Qualitäten des Kampfflugzeugs gehen die Meinungen auseinander.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Der frühere US-Präsident Donald Trump war begeistert. Die F-35 sei wirklich eine tolle Maschine, sagte Trump einst und wurde dann richtig pathetisch: "Wenn unsere Feinde den Lärm der F-35-Motoren hören, werden ihre Seelen erbeben und sie werden wissen, dass der Tag der Abrechnung gekommen ist."

Katrin Brand ARD-Studio Washington

So euphorisch sind nicht alle in den USA, denn das mit der Abrechnung lässt sich auch ganz anders verstehen. Die F-35 ist das teuerste Militär-Projekt der USA, und ob sie wirklich so toll ist, wie Trump meint, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Die F-35 ist auf jeden Fall ein Ereignis. Wenn das US-Militär über dem Death Valley in Kalifornien trainiert oder die Maschinen bei Flugshows wie hier in Pensacola, Florida, ihre Runden drehen, greifen die Zuschauer zu Kamera und Ohrenstöpseln. Der Kampfjet erreicht fast 2000 Kilometer pro Stunde und fliegt schneller als der Schall.

Für viele Zwecke einsetzbar

Vor mehr als 20 Jahren wurde mit der Entwicklung begonnen, vor gut zehn Jahren der erste Flieger ausgeliefert. Sich gegenüber feindlichem Radar unsichtbar zu machen, ist die wichtigste Fähigkeit des Flugzeugs, das in drei Ausfertigungen daher kommt. Ein Modell kann senkrecht starten und landen, ein anderes ist für Flugzeugträger gedacht. Außerdem kann die F-35 umfassend mit Waffen bestückt werden, zum Beispiel auch mit Atombomben.

Geflogen wird der Jet von einem Piloten. Sein High-Tech-Helm ist mehrere Hunderttausend Dollar teuer und beliefert ihn umfassend mit Daten und Ansichten. Das Flugzeug selbst soll nach Regierungsangaben rund 80 Millionen Dollar, das sind etwa 73 Millionen Euro, kosten.

Alles etwas, aber nichts richtig?

Inzwischen sind nicht nur die USA, sondern auch mehrere andere Länder wie Großbritannien, Australien und Belgien an dem Programm beteiligt. Das macht die Sache nicht einfacher, sagt Militärexperte Dan Grazier. Wenn man ein Flugzeug baue, das allen alle Wünsche erfüllen soll, bekomme man keinen Alles-, sondern einen Nichtskönner, warnte Grazier dieses Jahr in einem Diskussionsforum.

Kritisiert wird unter anderem, dass die F-35 nicht so wendig sei wie andere Kampfjets. Und das Flugzeug sei im Betrieb wahnsinnig teuer: "Wenn das US-Militär die Stückzahl kauft, die es geplant hat, werden die Teilstreitkräfte nicht mehr in der Lage sein, ihre F-35 auch zu betreiben, weil die Kosten rund sechs Milliarden Dollar über ihrem Budget liegen werden", so Grazier.

Kritiker sagen, die mit anspruchsvoller Technologie vollgestopften Maschinen seien eigentlich noch gar nicht serienreif und sehr fehleranfällig. Südkorea etwa hat im Januar seine F-35-Flotte stillgelegt, nachdem ein Pilot wegen einer technischen Störung seine Maschine auf dem Bauch landen musste.

Air Force Chief of Staff General Charles Brown dachte voriges Jahr laut über die Entwicklung einer neuen Flugzeug-Generation nach. Ein öffentlicher Aufschrei folgte, und Brown ruderte zurück: Die F-35 sei der Eckpfeiler der Zukunft der Air Force. Einige Hundert F-35 sind inzwischen ausgeliefert, über 400 sind allein beim US-Militär in Betrieb. Mit Beginn des Kriegs in der Ukraine haben die USA etliche F-35 nach Polen verlagert.