Ein Wandgemälde in einem von vielen schwarzen US-Amerikanern bewohnten Viertel in Evanston. | REUTERS

US-Gemeinde Evanston zahlt Reparationen an Schwarze

Stand: 23.03.2021 19:20 Uhr

Als erste Stadt der USA zahlt Evanston Reparationen an seine schwarzen Bürger oder deren Nachfahren. Eine Entscheidung, die auch Signalwirkung für den US-Kongress haben könnte.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Es ist eine generationenalte Forderung vieler schwarzer US-Amerikaner, und jetzt wird sie zum ersten Mal erfüllt: Evanston, ein Vorort von Chicago, zahlt als erste Stadt in den USA Reparationen an seine schwarzen Bürger.

Julia Kastein ARD-Studio Washington

Afroamerikaner, die nachweisen können, dass ihre Vorfahren zwischen 1919 und 1969 in der Stadt gelebt haben, können Zahlungen bis zu 25.000 US-Dollar beantragen - zweckgebunden an den Kauf oder die Renovierung eines Eigenheims.

Häuser in Evanston. Die ausgezahlten Reparationen sollen zur Renovierung von Häusern verwendet werden. | REUTERS

Häuser in Evanston. Die ausgezahlten Reparationen sollen zur Renovierung von Häusern verwendet werden. Bild: REUTERS

So hat es der Stadtrat mit nur einer Gegenstimme beschlossen. Weitere Reparationsprogramme im Umfang von insgesamt zehn Millionen Dollar in den nächsten zehn Jahren sollen folgen.

Auch der Kongress debattiert über Reparationen

Die Maßnahmen sollen helfen, Unrecht und Ungleichheit zu überwinden, die auch 150 Jahre nach Ende der Sklaverei noch andauern.

Dies sei ein einmaliger Moment - und zwar ein guter, erklärte die "National African American Reparations Commission", die sich auf lokaler und Bundesebene für Reparationen eingesetzt hatte. Rund 16 Prozent der 75.000 Einwohner von Evanston sind Afroamerikaner.

Im US-Kongress wird momentan außerdem die Einsetzung einer Kommission diskutiert, die nicht nur die Geschichte der Sklaverei und die Rolle der Regierung untersuchen soll, sondern auch Empfehlungen für Wiedergutmachung. Noch aber gibt es für dieses Gesetzesvorhaben nicht genügend Stimmen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 23. März 2021 um 15:39 Uhr.