Szenen vom Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar (Archivbild). | REUTERS

Drei Jahre auf Bewährung Erstes Urteil nach Sturm auf US-Kapitol

Stand: 24.06.2021 07:25 Uhr

Fünf Monate nach dem Sturm auf das US-Kapitol wurde das erste Urteil gesprochen. Eine Frau erhielt eine Bewährungsstrafe von drei Jahren. Sie entging dem Gefängnis, da sie sich zuvor schuldig bekannt hatte.

Mehr als fünf Monate nach der Erstürmung des US-Kapitols durch Anhängerinnen und Anhänger des damaligen US-Präsidenten Donald Trump gibt es ein erstes Gerichtsurteil gegen eine Beteiligte. Ein Bundesrichter in Washington verhängte eine Bewährungsstrafe von drei Jahren gegen eine 49-Jährige aus dem Bundesstaat Indiana. Zudem müsse die Frau 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und 500 US-Dollar Schadenersatz zahlen.

Sie hatte sich zuvor der Belästigung der Allgemeinheit schuldig bekannt. Sie räumte ein, sich illegal Zutritt zum US-Kapitol verschafft zu haben, als dort am 6. Januar der Wahlsieg des Demokraten Joe Biden bei der Präsidentschaftswahl vom 3. November zertifiziert werden sollte. "Ich war dort, um Präsident Trump meine Unterstützung zu zeigen, und ich schäme mich dafür, dass es ein unzivilisiertes Schauspiel der Gewalt wurde", sagte sie in einer Videoschalte vor Gericht.

"Der schönste Tag in meinem Leben"

Trump-Anhängerinnen und -Anhänger hatten am 6. Januar den Sitz des US-Kongresses in Washington erstürmt, nachdem Trump seine Unterstützerinnen und Unterstützer zuvor bei einer Rede mit Wahlbetrugsbehauptungen aufgestachelt hatte. Die Polizei am Kapitol wurde überrannt.

Die Verurteilte folgte der Menge zum Kapitol, blieb aber nur zehn Minuten in dem Parlamentsgebäude und machte sich keiner Gewalt schuldig, sagte sie. "Das war der schönste Tag in meinem Leben", schrieb sie am nächsten Tag im Online-Netzwerk Facebook. Nach ihrer Festnahme kooperierte sie nach Angaben ihres Anwalts mit der Justiz, entschuldigte sich und "dachte über viele ihrer Ideen noch einmal nach".

Bei der Sitzung drückte die Frau Medienberichten zufolge nun Reue aus für ihre Rolle bei dem Angriff. Es sei falsch gewesen, das Kapitol betreten zu haben, obwohl sie niemanden verletzt und nichts beschädigt habe. Sie sei nach Washington gegangen, um Trump sprechen zu hören, und sei beschämt, dass es zu einer "wüsten Darbietung von Gewalt" geworden sei.

500 Anklagen erhoben

Wegen ihres Schuldeingeständnisses folgte der Richter der Empfehlung der Staatsanwaltschaft und verzichtete auf eine Haftstrafe. Diese hielt der Angeklagten zugute, dass sie sich nicht an Gewalt oder Sachbeschädigung beteiligt hatte. Auch sei ihr Vordringen ins Kapitol nicht geplant gewesen. Zugleich betonte der Richter bei der Urteilsverkündung, dass es sich um ein "ernstes Verbrechen" handelte. Diese Demonstration "ist nicht zufällig gewalttätig geworden", sagte er.

Im Zuge der Gewalt kamen fünf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist. Die US-Behörden identifizierten inzwischen etwa 800 mutmaßliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kapitol-Erstürmung. Insgesamt müssen sich fast 500 Angeklagte wegen des Angriffs vor Gericht verantworten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Juni 2021 um 08:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Cosmopolitan_Citizen 24.06.2021 • 13:20 Uhr

Trump’s Agieren gegen die Verfassung hat die U.S. Demokratie …

… massiv bedroht und was der Kongress nicht geleistet hat, holen nun die Gerichte nach. Die Urteile treffen die Mitläufer und schonen den "Kopf". Noch. Der Sturm auf das Capitol war die Spitze… einer langen Reihe von Angriffen auf die U.S. Verfassung durch den damals noch amtierenden Präsidenten Trump. Im Kontext der Geschehnisse vom 6. Januar 2021 gibt es keinen Zweifel an der Verantwortung von Trump für die Eskalation auf dem Capitol Hill. Seine diesbezüglichen Aussagen auch gegenüber dem GOP-Minority Leader Kevin McCarthy verdeutlichen, dass das Ziel die Störung der amtlichen Zertifizierung der Wahl vom 3. November war. Schon die Delegitimierungsversuche … der Briefwahl vor der Wahl durch einen amtierenden Präsidenten ohne handfesten Anhalt und mehr noch die beleglose Behauptung des Wahlbetrugs – gegen die Feststellung der Korrektheit aller alle amtlichen U.S.-Wahlinstanzen – war ein Affront gegen die Verfassung.