Eine Gerichtszeichnung zeigt, wie Ghislaine Maxwell den Gerichtssaal betritt. | AP

Prozess gegen Epstein-Vertraute Maxwell "Sie machte Jagd auf junge Mädchen"

Stand: 30.11.2021 02:04 Uhr

In New York hat der Prozess gegen die ehemalige Epstein-Vertraute Maxwell begonnen. Sie soll dem schwerreichen Investment-Banker geholfen haben, diverse junge Frauen und Mädchen zu missbrauchen.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Wie eine Angeklagte wirkt sie nicht. Ghislaine Maxwell ist optisch kaum von ihren Anwälten zu unterscheiden. Die Frau im beigen Rollkragen wirkt aktiv. Ihre Augen wandern herum. Sie schreibt eifrig, dreht sich immer wieder zu ihren Anwälten. Raunt ihnen etwas zu. Ein alter Freund der 59-Jährigen ahnt: "Sie kämpft. Gibt alles, was sie hat."

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Christopher Mason sitzt auf der kleinen Zuschauertribüne und weiß: "Sie hat im Moment wenig zu verlieren." Auch Maxwells Schwester Isabel verfolgt im Saal das Plädoyer der Anklage. Maxwell sei bei den Verbrechen die "rechte Hand" Epsteins gewesen, erklärt Staatsanwältin Lara Pomerantz. Und wörtlich: "Sie machte Jagd auf ungeschützte junge Mädchen, manipulierte sie und servierte sie für den sexuellen Missbrauch."

Maxwells Verteidigung: Es geht um Epstein

Vier Hauptzeuginnen sollen es in dem Verfahren belegen. Auf der Zuschauertribüne sitzt eine weitere Frau, die das in ihrem Buch bezeugt hat: Sarah Ransome war 22, als Epstein sie demnach auf seiner Karibik-Insel festgehalten hat. Wollte er sie missbrauchen, habe Maxwell sie gerufen, sagt sie dem TV-Sender CBS.

Ghislaine wusste genau, was sie tat. Sie wusste, dass ich jedesmal, wenn sie mich holte, vergewaltigt werden würde. Jedesmal.

Maxwells Verteidigung pocht hingegen darauf: Sie sei unschuldig. Es gehe um Epsteins Verbrechen. Maxwell habe damit nichts zu tun. Ihr ehemaliger Freund und Arbeitgeber sei ein narzisstischer Mann gewesen. Er habe die Welt um sich herum manipuliert - inklusive Maxwell selbst.

"Wirkt, als stünde sie als Ersatz für ihn vor Gericht"

Ihre Verteidiger denken wie ihr Freund Christopher Mason: "Es wirkt, als stünde sie als Ersatz für ihn vor Gericht. Denn die Anklage hatte keine Gelegenheit, ihn dorthin zu bekommen."

Der schwerreiche Investmentbanker hatte sich vor seinem eigenen Prozess mutmaßlich in seiner Gefängniszelle das Leben genommen. Über Jahre soll er großteils minderjährige Mädchen und Frauen missbraucht und sie als Prostituierte an Reiche und Mächtige vermittelt haben.

Epsteins mächtige Freunde

Entsprechend groß war das Medienaufgebot vor dem Gerichtsgebäude. Namen der Ex-Präsidenten Trump oder Clinton sind als Epsteins Freunde im Gespräch. Bis hin zum britischen Prinz Andrew. Während ihm bereits ein Zivilverfahren droht, dürften andere Prominente noch die Luft anhalten.

Mutmaßliche Epstein-Opfer wie Sarah Ransome atmen dagegen auf: "Ich hatte die Hoffnung, dass ich eines Tages die Menschen vor Gericht erleben würde, die Jeffrey Epstein geholfen haben, mich täglich zu vergewaltigen." Sie habe nie geglaubt, dass dieser Tag kommen würde.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. November 2021 um 06:51 Uhr.