Das Grab von Emmett Till in Chicago im US-Bundesstaat Illinois (Archivbild). | AFP

Emmett Till US-Justiz beendet Untersuchung zu Lynchmord

Stand: 07.12.2021 03:09 Uhr

Der Fall Emmett Till wühlte in den 50er Jahren die schwarze Gemeinde in den USA auf - und wurde ein Fanal für die Bürgerrechtsbewegung. 66 Jahre später schließt das Justizministerium eine Untersuchung zum Fall ab - ohne Anklage.

Mehr als 66 Jahre nach dem Lynchmord am schwarzen Jugendlichen Emmett Till in Mississippi hat das US-Justizministerium eine Untersuchung zu dem Fall beendet. Dies sei den Angehörigen von Till mitgeteilt worden, sagte eine in den Vorgang eingeweihte Person der Nachrichtenagentur AP am Montag.

Die Hinterbliebenen zeigten sich enttäuscht über die Nachricht, dass weiterhin niemand für die Tat zur Rechenschaft gezogen wird, die als Fanal für die Bürgerrechtsbewegung in die Geschichte eingehen sollte. Im Sommer 1955 war der damals 14 Jahre alte Till im Staat Mississippi verschleppt, gefoltert und getötet worden, nachdem er Augenzeugen zufolge einer weißen Frau hinterhergepfiffen haben soll.

Log das angebliche Opfer?

In einem Buch aus dem Jahr 2017 wurde Carolyn Bryant Donham, heute in ihren Achtzigern, allerdings mit den Worten zitiert, dass sie über ihre Begegnung mit Till gelogen habe. Damals hatte sie behauptet, der Teenager habe sie gepackt, anzüglich gepfiffen und sie angemacht, während sie in einem Laden in der kleinen Gemeinde Money gearbeitet habe.

Das Justizministerium nahm wegen der Kontroverse erneut Ermittlungen auf. Doch habe Donham dem FBI gesagt, dass sie ihre Anschuldigungen zu keinem Zeitpunkt widerrufen habe. Es gebe nicht genügend Beweise, um ihr zweifelsfrei nachzuweisen, dass sie die Ermittler angelogen habe, hieß es in einer Stellungnahme des Justizministeriums vom Montag.

Beamte ergänzten, dass Timothy Tyson, Autor des besagten Buches mit dem Titel "The Blood of Emmett Till" (dt. "Das Blut von Emmett Till"), weder Aufnahmen noch Protokolle habe vorweisen können, in denen Donham eingeräumt hätten, dass sie die Unwahrheit über die damalige Begebenheit gesagt habe.

Justizministerium hat weiter erhebliche Zweifel

Der Fall werde zwar ohne Strafverfolgung abgeschlossen, doch nehme die Regierung damit nicht die Position ein, dass die Zeugenaussage der Frau vor einem staatlichen Gericht 1955 wahrheitsgemäß oder korrekt gewesen sei, teilte das Ministerium weiter mit. Es gebe nach wie vor erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihrer Darstellung der Ereignisse, der andere widersprochen hätten, die damals bei Till gewesen seien.

Dazu gehöre eine Schilderung eines noch lebenden Zeugen. Tage nach der Ermordung von Till wurde dessen Leiche aus dem Fluss Tallahatchie gezogen. Sie war zuvor an eine Entkörnungsmaschine aus der Baumwollproduktion befestigt und in den Fluss geworfen worden, um sie unter Wasser zu halten.

Fall befeuerte Bürgerrechtsbewegung

Tills Schicksal befeuerte damals die Bürgerrechtsbewegung, zumal seine Mutter darauf bestand, dass ihr toter Sohn bei der Trauerfeier in einen offenen Sarg gelegt werde. Die Bilder von Tills übel zugerichteter Leiche wurden vom Magazin "Jet" veröffentlicht und entfalteten Breitenwirkung.

Zwei weiße Männer, Roy Bryant und dessen Halbbruder J.W. Milam, wurden rund einen Monat nach dem Mord an Till angeklagt und später von einer aus Weißen bestehenden Jury in Mississippi freigesprochen. Monate später gaben die Männer in einem Interview des Magazins "Look" die Tat zu. Bryant heiratete Donham im Jahr 1955.

2004 leitete das Justizministerium eine Untersuchung zum Mord an Till ein, nachdem Anfragen eingegangen waren, ob eine Anklage gegen noch lebende Personen möglich sei. Damals hieß es zwar, dass der Fall nach dem Bundesrecht verjährt sei. Doch prüfte das FBI mit Ermittlern auf Staatsebene ein mögliches neues Strafverfahren. Im Februar 2007 lehnte eine Grand Jury in Mississippi dies jedoch ab. Bryant und Milam mussten nicht wieder vor Gericht. Inzwischen sind beide tot.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 01. April 2020 um 19:30 Uhr in der Sendung "Zeitfragen".