Sicherheitskräfte marschieren nach einem Gefängnisaufstand in Ecuador auf | AP

Gewalt in Ecuador Präsident verhängt Notstand

Stand: 19.10.2021 09:25 Uhr

Morde, Raubüberfälle, Einbrüche. Ecuador versinkt in einem Strudel der Gewalt. Grund ist der ausufernde Drogenhandel. Nun hat der Präsident den Notstand über das Land verhängt.

Angesichts immer mehr Gewalt und Drogenkriminalität hat der ecuadorianische Präsident Guillermo Lasso den Notstand über das Land verhängt. Militär und Polizei würden auf die Straßen entsendet, um für Sicherheit zu sorgen, erklärte der Präsident in einer Fernsehansprache. "Es gibt nur einen Feind: den Drogenhandel", sagte er.

Ecuador sei nicht länger ein Land, in dem Drogen nur gehandelt würden, erklärte Lasso. "Dies spiegelt sich nicht nur in der Menge der in unserem Land konsumierten Drogen wider, sondern auch in der Zahl der Straftaten, die heute direkt oder indirekt mit dem Verkauf von Betäubungsmitteln zusammenhängen", so Lasso. Der Drogenhandel habe zu einem Anstieg von Tötungsdelikten, Einbrüchen, Diebstählen und Raubüberfällen geführt. Der Ausnahmezustand gibt den Behörden unter anderem die Befugnis, die Bewegungs- und Versammlungsfreiheit einzuschränken.

Uniformierte Beamte sollen besser geschützt werden

Der Präsident kündigte außerdem die Einrichtung einer Rechtsschutzeinheit an. Diese soll uniformierte Beamte verteidigen, "die wegen der Erfüllung ihrer Pflichten verklagt wurden". Lasso sagte, Richter sollten Frieden und Ordnung garantieren, nicht Straflosigkeit und Verbrechen schützen. "Die nationale Regierung wird alle Strafverfolgungsbehörden einsetzen, um eine einzige Aufgabe zu erfüllen: die Sicherheit der Bürger wiederherzustellen", erklärte der Präsident. "Wir werden den Kampf gegen die Unterwelt aufnehmen, wo immer sie sich versteckt."

In diesem Jahr kam es in den Gefängnissen des Landes aufgrund der Drogengewalt zu blutigen Revolten, insbesondere in Guayaquil. Hintergrund waren nach Angaben der Behörden Auseinandersetzungen zwischen Insassen rivalisierender Mafiabanden, die mit mexikanischen Drogenkartellen in Verbindung stehen. Etwa 230 Menschen wurden dabei getötet.

Vor zwei Tagen hatte die Polizei vor der Küste Ecuadors mehr als eineinhalb Tonnen Kokain beschlagnahmt. Die Drogen waren in einem Schiff versteckt. Die Drogenkartelle schmuggeln das in den südamerikanischen Andenländern Kolumbien, Bolivien und Peru hergestellte Kokain häufig auf dem Seeweg nach Mittelamerika und dann weiter über Land in die USA.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Oktober 2021 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.