Der konservative Guillermo Lasso reckt auf einer Wahlkampfveranstaltung im April 2021 in Ecuador die Faust in die Höhe. | dpa

Präsidentenwahl in Ecuador Ein "historischer Tag" für Guillermo Lasso

Stand: 12.04.2021 09:51 Uhr

Zweimal hatte es Guillermo Lasso schon versucht, nun hat er es ins Präsidentenamt in Ecuador geschafft. Der konservative Politiker setzte sich in der Stichwahl gegen den Linkskandidaten Arauz durch.

Von Ivo Marusczyk,  ARD-Studio Buenos Aires

In Ecuador jubeln die Anhänger des konservativen Guillermo Lasso. Der 65-Jährige hat sich in der Stichwahl um das Präsidentenamt mit gut 52 Prozent der Stimmen gegen den Linkskandidaten Andrés Arauz durchgesetzt.

Ivo Marusczyk ARD-Studio Buenos Aires

"Das ist ein historischer Tag, an dem alle Ecuadorianer über ihre Zukunft entschieden haben. Und mit ihrer Wahl haben sie die Notwendigkeit einer Veränderung ausgedrückt und den Wunsch nach besseren Tagen für alle", sagte Lasso nach seinem Sieg. Die Ecuadorianer hätten sich nach 14 Jahren für eine grundlegende Neuausrichtung entschieden.

Land steckt tief in der Wirtschaftskrise

Damit meint Lasso den linkspopulistischen Sonderweg von Ex-Präsident Rafael Correa, auch wenn dessen Nachfolger Lenín Moreno in den vergangenen vier Jahren schon mit dieser Politik gebrochen hatte. Correa konnte dank hoher Öleinnahmen in seiner Regierungszeit Infrastruktur- und Sozialprogramme auflegen. Inzwischen fehlen diese Einnahmen, das Land ist hoch verschuldet.

Linkskandidat Arauz wollte an Correas sogenannten Sozialismus des 21. Jahrhunderts anknüpfen. Er hat seine Niederlage mittlerweile eingeräumt: "Ich werde Herrn Lasso anrufen und Ihm zu seinem heutigen Wahlsieg gratulieren. Aber das war nur ein Stolpern bei der Wahl, auf keinen Fall eine moralische oder politische Niederlage." Arauz versprach, keine Fundamentalopposition zu betreiben, sondern jede Politik zu unterstützen, die dem Gemeinwohl diene.

Der Verlierer der Präsidentschaftswahl 2021 in Ecuador: Andrés Arauz. | AFP

Der Linkskandidat Andrés Arauz gestand seine Wahlniederlage ein. Bild: AFP

Ein Mann konservativer Werte

Lasso wurde in Ecuador als erfolgreicher Geschäftsmann und Bankier bekannt. Er hat sich zum dritten Mal um das Präsidentenamt beworben.

Im Wahlkampf hatte Lasso eine wirtschaftsliberale Politik angekündigt, um die Krise des Landes zu beenden: "Am 24. Mai werden wir mit großer Verantwortlichkeit die Herausforderung annehmen, das Schicksal unseres Vaterlands zu ändern - und für alle ein Ecuador der Möglichkeiten und des Wohlstands zu schaffen, von dem wir träumen."

Lasso will Steuern senken und das Land für ausländische Investoren öffnen. Dazu gehört auch eine Ausweitung der Ölförderung im Amazonasgebiet, was allerdings Umweltschützer alarmiert. Im ersten Wahlgang wäre Lasso beinahe dem indigenen Kandidaten Yaku Pérez unterlegen, der vor allem mit Einsatz für mehr Umweltschutz punktete.

Gesellschaftspolitisch steht Lasso für strikt konservative Werte. Er gehörte dem Opus Dei an. Dementsprechend hatte er sich gegen eine Lockerung des Abtreibungsverbots und gegen gleichgeschlechtliche Ehen ausgesprochen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. April 2021 um 06:43 Uhr.