Floridas Gouverneur Ron DeSantis hält im November 2021 eine Rede. | AP
Analyse

Floridas Gouverneur DeSantis Ernsthafte Konkurrenz für Trump

Stand: 28.01.2022 08:38 Uhr

Ausgerechnet in der Wahlheimat von Ex-Präsident Trump baut sich ein Herausforderer auf: Gouverneur DeSantis peilt wohl selbst die Präsidentschaftkandidatur 2024 an. Seine Chancen stehen nicht schlecht.

Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Anderswo schauen die Leute morgens aus dem Fenster, um zu sehen, ob ihr Auto noch da ist oder eingebrochen wurde. In Florida überlege man sich morgens, ob man in die Disney World oder an den Strand geht - es war ein sehr rosiges Bild ihres Staates, das mehrere Dutzend Sheriffs diese Woche von ihrem Staat zeichneten.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Aber unter ihrem Gouverneur Ron DeSantis sei Florida nun mal ein Staat von "Law und Order" und Freiheit geworden, meinten die Polizeichefs. Und deshalb unterstützen 90 Prozent von ihnen DeSantis im Herbst bei seiner Wiederwahl.

Teuer erkaufte Freiheit

Vor allem Freiheit ist ein ganz großes Thema des 43-Jährigen, der 2017 zum Gouverneur von Florida gewählt wurde - mit Unterstützung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump. Seit Beginn der Corona-Pandemie präsentiert DeSantis Florida als den US-Staat, der sich seine eigenen Corona-Regeln macht - und auf den alle anderen Staaten neidisch sind.

"Wir sind seit langem als der 'Sonnenscheinstaat' bekannt", sagte DeSantis vor etwa einem Jahr, aber bei den nie dagewesenen Lockdowns in anderen Staaten denke er, "dass die Sonne von Florida nun der Hoffnungsstrahl für alle ist, die sich nach Freiheit sehnen".

Freiheit, wie er und die Republikaner von Florida sie meinen, heißt: kaum Lockdown, keine Maskenpflicht, keine Impfpflicht. Während anderswo die Kneipen geschlossen blieben, wurde auf der Partymeile von Key West gefeiert oder an den Stränden vor Miami die Nacht zum Tag gemacht. Damit sei Florida gut durch die Pandemie gekommen, glaubt DeSantis.

Der Preis dafür: Mit 300 Covid-Toten auf 100.000 Einwohner liegt Florida im oberen Drittel der US-Staaten.

DeSantis kritisiert Trumps Corona-Politik

DeSantis' Schwärmen von der Freiheit zielt direkt auf all die Unzufriedenen, die sich, erschöpft von der Pandemie, von US-Präsident Joe Biden in Washington gegängelt fühlen. Auch wenn seine Wiederwahl zum Gouverneur nun das vordergründig wichtigste Ziel ist: DeSantis hat die Präsidentschaft im Blick, da sind sich die US-Medien ausnahmsweise mal einig.

Und er ist ganz offenbar bereit, den Kampf gegen die Nummer Eins der Republikaner aufzunehmen: Donald Trump. Noch ist nichts offiziell. Weder Trump noch DeSantis haben ihr Interesse an der Kandidatur für 2024 erklärt. Aber hinter den Kulissen wird getuschelt, und öffentlich liefern sich die beiden ein Fernduell - ausgerechnet auf dem Feld der Pandemie.

Nie hätte er im Februar und frühen März 2020 gedacht, dass es einen Lockdown im ganzen Land geben könnte, sagte DeSantis neulich in einem Podcast. Mit dem Wissen von heute wäre er damals viel lauter gewesen - Trump gegenüber, anders lässt sich das nicht interpretieren.

Impfstatus als Angriffsfläche?

DeSantis selbst machte sich zur Zielscheibe von Trump, als er bei Fox auf die Frage nach seiner Booster-Impfung herumeierte. Er habe die normale Impfung, und der Rest sei Privatsache. Trump nämlich findet "seine" Impfstoffe sehr erfolgreich und sagt inzwischen offen, dass er sich habe boostern lassen. Politiker, die aus taktischen Gründen ihren Impfstatus verschweigen, seien "feige".

DeSantis hat Trump gegenüber derzeit einen großen Vorteil: Er hat ein Amt und eine Aufgabe. Wenn er Schulen oder Unis verbieten will, dass sich Menschen in ihrem Unterricht unwohl fühlen, weil es dort um Rassismus oder Diskriminierung geht, dann kommt er in die Schlagzeilen. Wenn er eine Polizei-Einheit gründen will, die Wahlbetrug verhindern soll, schreit das liberale Amerika auf.

Und das konservative Amerika merkt, dass da einer Trumps Politik macht, ohne Trump zu sein.

DeSantis steht in Umfragen besser da

Trump hat allen Grund, den 32 Jahre jüngeren Yale-Absolventen und Ex-Militär zu fürchten, wie eine Umfrage der Marquette Law School zeigt. Beide würden zumindest laut dieser Erhebung im Moment zwar gegen Biden verlieren, aber DeSantis würde etwas besser abschneiden.

Und was noch wichtiger ist: 70 Prozent der Befragten meinten in der Umfrage, Trump sollte nicht noch einmal antreten. Unter seinen Wählern hat der Ex-Präsident sehr viele treue Fans, womöglich aber wünschen sich viele ein neues Gesicht an der Spitze.

Auch wenn Trump in anderen Umfragen zumindest momentan noch besser abschneidet als bei Marquette: Wenn DeSantis Ruhe bewahrt und keine Fehler macht, stehen seine Chancen momentan gar nicht schlecht.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 28. Januar 2022 um 12:50 Uhr.