Das Logo von JBS hängt an der Wand einer Werkshalle in Greeley (Colorado, USA). | AFP

JBS aus Brasilien Cyber-Angriff auf weltgrößten Fleischkonzern

Stand: 02.06.2021 07:20 Uhr

Eine Hacker-Attacke auf die US-Tochter des brasilianischen Fleischproduzenten JBS hat große Teile der Produktion lahmgelegt. Die Firma vermutet eine "wahrscheinlich in Russland ansässige" Organisation hinter dem Angriff.

Die US-Tochter des weltgrößten Fleischkonzerns JBS aus Brasilien ist von einer Cyber-Attacke getroffen worden. Der Angriff hat große Teile der Produktion in Nordamerika und Australien lahmgelegt. Eine Sprecherin des Weißen Hauses erklärte, JBS habe die US-Regierung bereits am Sonntag über die Attacke informiert.

Zuvor hatte das brasilianische Unternehmen über seine Tochter JBS USA mitgeteilt, Ziel einer organisierten Cyberattacke geworden zu sein. Der Angriff habe Server der IT-Systeme in Nordamerika und Australien getroffen. Eigene sowie externe IT-Experten seien im Einsatz, um die Folgen des Hackerangriffs zu beheben. Es werde noch einige Zeit dauern, bis die Probleme behoben seien. Weitere Details nannte JBS zunächst nicht.

Nach Angaben der US-Regierung forderten die Hacker auch Lösegeld. JBS habe das Weiße Haus davon in Kenntnis gesetzt, dass die Forderung von einer "wahrscheinlich in Russland ansässigen" kriminellen Organisation stammte.

US-Fleischfabriken stillgelegt

Das Weiße Haus habe Kontakt zur russischen Regierung aufgenommen, um die Botschaft zu übermitteln, "dass verantwortungsbewusste Staaten keine Ransomware-Kriminellen beherbergen", erklärte Sprecherin Karine Jean-Pierre. Bei Ransomware handelt es sich um eine Software, mit der Computersysteme gesperrt oder verschlüsselt werden, um von den Nutzern Geld für die Freigabe der Daten zu erpressen.

Wegen des Hacker-Angriffs mussten fünf der größten Fleischfabriken in den USA vorerst stillgelegt werden, wie US-Medien unter Berufung auf Gewerkschaften und Mitarbeiter berichteten. Andre Nogueira, US-Chef des Konzerns, teilte mit, der Großteil der Werke in den USA werde bis Mittwoch wieder den Betrieb aufnehmen.

250.000 Beschäftigte in 190 Ländern

Auch in Kanada musste eines der größten Werke von JBS demnach den Betrieb aussetzen. In Australien war die Produktion des Konzerns nach Angaben des Branchendienstes Beef Central zuletzt ebenfalls stark eingeschränkt. Die Holding J&F Investimentos, zu der JBS gehört, beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 250.000 Menschen und ist in 190 Ländern vertreten.

Multinationale Konzerne sind häufig Ziel von Hackerangriffen. Erst vor wenigen Wochen hatte eine Cyber-Attacke auf die größte Benzin-Pipeline in den USA die Kraftstoffversorgung in dem Land vorübergehend eingeschränkt. Der Betreiber Colonial zahlte Computer-Hackern ein Lösegeld von 4,4 Millionen Dollar (3,6 Mio Euro), wie das Unternehmen einräumte.