Andrew Cuomo | dpa

Belästigungsvorwürfe gegen Cuomo Parteifreunde distanzieren sich

Stand: 15.03.2021 08:03 Uhr

New Yorks Gouverneur Cuomo bleibt nach den Belästigungsvorwürfen gegen ihn weiter unter Druck. Erstmals äußerten sich auch US-Präsident Biden und Nancy Pelosi zu dem Fall. Beide verzichteten jedoch auf Rücktrittsappelle.

Führende Politiker der US-Demokraten sind auf Distanz zu New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo gegangen. Der wegen Belästigungsvorwürfen unter Druck geratene Gouverneur müsse in sich gehen, "um zu schauen, ob er noch effektiv regieren kann", sagte die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, im TV-Sender ABC. Wie US-Präsident Joe Biden verzichtete sie jedoch auf eine Rücktrittsforderung.

Die Anschuldigungen der Frauen gegen Cuomo müssten ernst genommen werden, erklärte Pelosi, die wie Cuomo der Demokratischen Partei angehört. Ihre Vorwürfe seien "glaubwürdig und schwerwiegend". Zugleich rief sie dazu auf, die Ergebnisse der eingeleiteten Ermittlungen abzuwarten.

Ähnlich argumentierte wenig später Biden. "Ich denke, die Untersuchung ist im Gange und wir sollten sehen, was sie uns bringt", sagte der demokratische Präsident im Garten des Weißen Hauses auf die Frage eines Reporters, ob Cuomo zurücktreten sollte. Es war das erste Mal, dass Biden sich so explizit zu der Affäre äußerte. Zuvor hatte er über seine Sprecherin erklären lassen, dass er die Untersuchung unterstütze.

Cuomo lehnt Rücktritt entschieden ab

Sechs Frauen haben seit Ende Februar Belästigungsvorwürfe gegen Cuomo erhoben. New Yorks Justizministerin Letitia James geht derzeit den schweren Anschuldigungen nach. Bei den Vorwürfen geht es um körperliche und verbale Bedrängungen.

Cuomo lehnt einen Rücktritt trotz der Vorwürfe sexueller Belästigung entschieden ab. Der 63-Jährige bestritt, eine Frau auf unangemessene Weise angefasst zu haben. Er räumte ein, dass er im Büro Späße gemacht habe, die einige Frauen als Flirten aufgefasst hätten.

Am Freitag hatten sich führende Vertreter der Demokraten Rücktrittsforderungen von mehr als einem Dutzend Abgeordneten aus dem Bundesstaat im US-Repräsentantenhaus angeschlossen - darunter Chuck Schumer und Kirsten Gillibrand, die New York im US-Senat vertreten.

Weiterer Vorwurf gegen Cuomo

Cuomo ist seit zehn Jahren Gouverneur des Bundesstaats New York. Der Justizausschuss des Regionalparlaments leitete am Donnerstag eine Untersuchung ein, die zu einem Amtserhebungsverfahren gegen Cuomo führen könnte. 

Neben dem Vorwurf der sexuellen Belästigung gibt es einen weiteren gegen Cuomo: Er soll die Bilanz der Corona-Toten in New York manipuliert haben - um der damaligen Trump-Regierung keine Angriffsfläche zu bieten. Cuomos engste Beraterin hat das in mehreren Medien bereits zugegeben.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. März 2021 um 12:10 Uhr.