Eine Krankenschwester betreut auf der Intensivstation des North Memorial Health Hospital einen COVID-19-Patienten. (Archivbild) | dpa

Eine Million Neuinfektionen Omikron bereitet US-Kinderärzten Sorge

Stand: 04.01.2022 19:41 Uhr

Die Omikron-Variante treibt die Neuinfektionszahlen in den USA in astronomische Höhen - erstmals wurden mehr als eine Million Fälle binnen eines Tages gemeldet. Die Krankenhäuser des Landes rüsten auf, Kinderärzte sind besorgt.

Von Florian Mayer, ARD-Studio Washington

Mehr als eine Million neue Corona-Infektionen in den USA meldet die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC für den gestrigen Montag. Und als wäre diese Zahl alleine nicht alarmierend genug, zeigt ein Blick auf die Infektionsrate: Die Zahl derer, die sich in den USA infizieren, hat sich innerhalb einer Woche nahezu verdoppelt.

Allerdings - noch sind die Zahlen mit Vorsicht zu interpretieren. Durch die Feiertage zum Jahreswechsel wurden Daten teilweise verspätet an die Gesundheitsbehörden übermittelt.

Biden sieht das Land vorbereitet

Nichtsdestotrotz, die Infektionsrate zeigt mittlerweile steil nach oben. Omikron hat die USA fest im Griff. US-Präsident Joe Biden sieht das Land dennoch gut gerüstet:

Wir wissen, dass wir steigende Fallzahlen haben. Wir haben Millionen Ungeimpfter. Und wir sehen, wie unsere Hospitalisierungsrate steigt. Das heißt, unsere Krankenhäuser werden stellenweise überfordert sein. Sowohl was die Ausstattung angeht, als auch beim Personal. Deshalb haben wir bereits Millionen Masken, Handschuhe und Beatmungsgeräte angeschafft und verteilt.

Die USA hätten aus den letzten Wellen gelernt, betonte Biden. Man sei vorbereitet.

Viermal so viele Fälle im größten Kinderkrankenhaus

Daten der "New York Times" zeigen ein anderes Bild. Demnach sind in jedem vierten Krankenhaus in den USA aktuell 95 Prozent aller Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. Insgesamt werden momentan fast 105.000 Menschen aufgrund einer Corona-Infektion in Krankenhäusern behandelt.

Besonders in Sorge sind die Kinderärzte. Das größte Kinderkrankenhaus des Landes, das Texas Children’s Hospital in Houston, berichtet von einer Vervierfachung der Fallzahlen seit Ende Dezember. Die meisten Fälle seien verursacht durch Omikron, sagt der texanische Kinderarzt Brent Kaziny dem Nachrichtensender CNN: "Wir sehen hier viele Patienten mit milden Atemwegsbeschwerden - Husten, verstopften Atemwegen, Fieber - bekannte Covid-Kontakte."

Schiere Zahl ein großes Problem

Und auch wenn die meisten Omikron-Fälle einen weitaus milderen Verlauf nehmen als in vorherigen Wellen - die Infektionsrate ist mittlerweile so hoch, dass die schiere Anzahl der Fälle sehr schnell dafür sorgen kann, dass die Kapazitätsgrenzen der Krankenhäuser überschritten wird, erklärt Jim Versalovic, Chef-Pathologe im Kinderkrankenhaus in Housten.

Selbst wenn die Hospitalisierungsrate momentan noch niedrig sei - das Problem sei, "dass wir mit so vielen infizierten Kindern und Erwachsenen innerhalb kürzester Zeit wesentlich mehr Kinder in den Krankenhäusern haben könnten. Das wird unser Gesundheitssystem sehr belasten", sagt er.

Booster für Jugendliche ab 12

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat mittlerweile reagiert. Nach der Auswertung von Gesundheitsdaten aus Israel wurde gestern das Vakzin von BioNTech/Pfizer als Booster-Impfstoff für alle Jugendlichen ab 12 Jahren in den USA freigegeben.

Es ist unwahrscheinlich, dass diese Maßnahmen die ganz aktuelle Lage ausbremsen werden. Für die Ärzte und Pflegekräfte heißt es nun auch während dieser massiven Corona-Welle: weitermachen. Egal wie.

Die Latte, was das Durchhalten angeht, wird immer höher gelegt. Du denkst dir: Ich habe keine Ahnung wie wir das alles nochmal machen sollen und dann machen wir es einfach nochmal

sagt Nicole Leathers, Krankenpflegerin auf der Intensivstation für Kinder im Texas Children’s Hospital in Houston.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Januar 2022 um 18:05 Uhr.