Ein Krankenwagen kommt am CHA Hollywood Presbyterian Medical Center an. | dpa

Kalifornien Neue Mutationen - aber weniger Fälle

Stand: 25.02.2021 09:18 Uhr

In Kalifornien breiten sich laut einer Studie zwei aggressive Virusmutationen aus, die Experten Sorgen machen. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen sinkt dennoch. Wie passt das zusammen?

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Zur Abwechslung gibt es auch mal gute Nachrichten: Die Zahl der bekannten Coronavirusfälle geht in Kalifornien dramatisch zurück. Waren es im Januar noch in der Spitze 40.000 bis 60.000 Fälle am Tag, zählt der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat derzeit im Schnitt etwa 6000 Neuinfektionen am Tag.

 

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Der Epidemiologe Timothy Brewer von der Universität UCLA erklärte das im Radiointerview mit NPR so: "Ich vermute, dass wir die Herdenimmunität erreichen, auf die alle hoffen." Es sei eine Kombination aus den sieben Millionen Impfungen, die schon verteilt wurden und der Tatsache, dass schon viele Menschen hier eine Infektion durchgemacht haben. Damit werde es für das Virus schwerer einen Wirt zu finden.

Allerdings, die Kalifornier haben für diesen Status teuer bezahlt: Mehr als 50.000 Menschen starben an den Folgen von Covid-19. Mindestens ein Drittel der Kalifornier hat oder hatte bereits Corona.

Mutante dominiert die Neuinfektionen

Große Sorge bereitet vielen Wissenschaftlern, dass sich innerhalb Kaliforniens neue Virusvarianten ausbreiten. Eine Studie der University of California in San Francisco macht dabei auf zwei neue Virusvarianten aufmerksam. Die Universität arbeitet bei der Studie mit dem von Facebook-Chef Mark Zuckerberg gegründeten Chan Zuckerberg Biohub zusammen.

Dort habe man vor allem den Mission District in San Francisco untersucht, erklärt Wissenschaftler Joe DeRisi in den Lokalnachrichten: "Im November gehörten 16 Prozent der Proben zu der neuen Virusvariante, im Januar waren es dann 53 Prozent."

Bei den Patienten, die mit der neuen Virus-Variante B.1.427 bzw. B.1.429 infiziert waren, war die Wahrscheinlichkeit, intensivmedizinisch behandelt werden zu müssen, fast fünfmal höher - die Wahrscheinlichkeit zu Sterben sei der noch unveröffentlichten Studie nach elfmal höher.

Zu wenig Daten

Allerdings gibt es in Fachkreisen auch Kritik an der Aussagekraft der Studie: Unbeteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sagten, die Datensätze seien zu klein, um größere Schlüsse ziehen zu können.

Der Epidemiologe John Swartzberg von der Universität Berkeley, nahe San Francisco, meint, man wisse grundsätzlich noch zu wenig über die Mutationen: "Wir testen nur etwa ein Prozent unserer Proben auf Mutationen. In Großbritannien sind es 10 bis 20 Prozent." Deshalb wisse man nicht, wie sehr sich die Mutationen verbreitet hätten. Sei es die aus Großbritannien, Brasilien oder die kalifornische Variante - sicher sei nur: "Sie sind hier."

Um zu vermeiden, dass sich diese Mutationen weiter ausbreiteten, müsse schneller geimpft werden, sagt Swartzberg. Es sei ein Rennen zwischen Leben und der Evolution des Virus.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 25. Februar 2021 um 07:47 Uhr.