US-chinesisches Spitzentreffen in Anchorage | AP

US-chinesisches Treffen Wortgefecht vor laufenden Kameras

Stand: 19.03.2021 07:35 Uhr

US-Präsident Biden hat sich ein hartes Auftreten gegenüber China vorgenommen. Und in der Tat gab es beim ersten Treffen seiner Regierung mit chinesischen Offiziellen ungewohnt offene Kritik.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Dass es schwierig werden würde, war klar. Wie schwierig, zeigte sich schon ganz zu Beginn des Treffens - vor laufenden Fernsehkameras. Antony Blinken, der US-Außenminister, und Yang Jiechi, der oberste Diplomat der Chinesischen Kommunistischen Partei, gerieten schon bei den Auftakt-Statements aneinander und zeigten tiefe Meinungsunterschiede.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Blinken etwa steuerte ohne große Umschweife die Themen an, die den USA und ihren Verbündeten am chinesischen Verhalten große Sorgen bereiten: die Menschenrechte der Uiguren in Xinjiang und der Bewohner Hongkongs, Chinas Umgang mit Taiwan, Cyberattacken auf die USA und der ökonomische Druck auf die Verbündeten.

Jede dieser Handlungen bedrohe die regelbasierte Ordnung, die die Stabilität der Welt sichere, sagte Blinken. Deshalb seien das keine inneren Angelegenheiten, und deshalb fühlten sich die USA verpflichtet, diese Themen hier anzusprechen.

Yang kontert

Das sah sein chinesisches Gegenüber ganz anders. Die USA seien keinesfalls die Repräsentanten der öffentlichen Meinung, konterte Yang. Überhaupt müssten, so übersetzte es seine Dolmetscherin, die USA ihre Probleme in Sachen Menschenrechte lösen. Diese seien nicht erst in den vergangenen vier Jahren hochgekommen, Black Lives Matter nicht gerade erst aufgetaucht.

 So ging es, wie die Fernsehbilder zeigten, hin und her, bis sich die Türen für die Journalisten schlossen.

Biden will harten Kurs gegenüber Peking

Das Verhältnis zwischen den USA und China ist, milde formuliert, angespannt. Ex-US-Präsident Donald Trump hatte versucht, in seiner Amtszeit durch viele Sonderzölle Druck aufzubauen, kam aber über ein erstes Handelsabkommen nicht hinaus. Auch sein Amtsnachfolger Joe Biden hat sich vorgenommen, hart gegenüber China aufzutreten. Beim Thema Menschenrechte und unfaire Handelspraktiken Chinas liegen Demokraten und Republikaner nicht weit auseinander.

Das Treffen im alaskischen Anchorage sollte der erste Versuch sein, eine neue Beziehung aufzubauen, die Außenminister Blinken so zusammenfasste: "konkurrierend, wenn nötig; zusammenarbeitend, wenn möglich - und feindselig, wenn es sein muss". Klimaschutz ist ein Thema, wo die beiden Wirtschaftsmächte zusammenarbeiten müssten, das gilt auch für den Umgang mit der atomaren Bedrohung durch den Iran und Nordkorea.

Das Treffen in Alaska - auf halber Strecke zwischen Washington und Peking - hat zumindest schon mal die Differenzen aufgezeigt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau im ARD-Morgenmagazin am 19. März 2021 um 08:00 Uhr.