Donald Trump | AFP

Richtungsentscheidung US-Republikaner setzen weiter auf Trump

Stand: 16.05.2021 11:15 Uhr

Wer nach der US-Wahl glaubte, Ex-Präsident Trump sei abgeschrieben, der hat sich getäuscht. Der Rauswurf seiner Kritikerin Cheney aus der Fraktionsführung der Republikaner zeigt: Die Partei kann nicht ohne ihn.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Am 6. Januar hatte Donald Trump Junior eine Botschaft an all die Republikaner, die seinen Vater, wie er fand, nicht ausreichend unterstützt hatten. Das sei nicht mehr ihre Republikanische Partei, brüllte er, das sei jetzt Donald Trumps Republikanische Partei. Das klang ziemlich großmäulig in dem Moment. Dann aber machten sich Tausende auf den Weg, das Kapitol einzunehmen, und es war klar: Die Macht des 45. Präsidenten über seine Anhänger ist ungebrochen. Und nun, vier Monate später, zeigt sich, dass die alte Republikanische Partei tatsächlich aufgehört hat zu existieren. 

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Wer bei Trump in Ungnade fällt, muss gehen

"Die Wähler bestimmen, wer die Republikanische Partei anführt", glaubt Elise Stefanik, und Donald Trump sei der Anführer, dem sie sich zuwenden. Stefanik, 36 Jahre alt, ist das neue Gesicht der Partei, Trumps Stimme im Abgeordnetenhaus. Vor sechs Jahren zog sie dort ein - als damals jüngste Abgeordnete aller Zeiten. Sie kneife sich jeden Tag, erzählte sie damals ein bisschen kokett dem Sender C-Span. Ihre Mutter habe ihr geraten, immer einen moralischen Kompass zu bewahren, das sei ein besonders guter Rat für gewählte Amtsträger.

Elise Stefaniks Kompass, vor allem aber ihr Ehrgeiz, hat sie zügig an die Spitze der Fraktion im Abgeordnetenhaus geführt, nicht weil sie besonders konservativ oder besonders republikanisch wäre, sondern weil sie eine lautstarke Trumpistin ist und weil folglich Trump sie unterstützt. Wer bei Trump hingegen in Ungnade fällt, muss gehen - so wie Liz Cheney, eine lupenreine Konservative, republikanischer Adel schon allein durch ihren prominenten Vater Dick Cheney. Doch die 54-Jährige hat Trump wiederholt öffentlich angegriffen.

Liz Cheney | AFP

Liz Cheney verlor ihren Posten in der Fraktionspitze der Republikaner im US-Repräsentantenhaus. Bild: AFP

Sie glaube nicht, dass er die Partei führen sollte, sagte Cheney bei CNN. Die Republikaner sollten für die Wahrheit und die Verfassung stehen. Die Wahrheit ist für Cheney, dass Joe Biden rechtmäßig die Wahl gewonnen hat, und dass Trump lügt, wenn er das Gegenteil behauptet. Dafür haben die Republikaner sie nun aus der Fraktionsspitze geworfen und durch Stefanik ersetzt.

Richtungsentscheidung für Republikaner

Donald Trump sei immer noch der beliebteste Republikaner, sagt etwa Senator Lindsay Graham. Es wäre ein Wahnsinn zu versuchen, ihn aus der Partei auszuradieren, meint er. Der Blick auf die Umfragen zeigt, dass Graham Recht hat. Etwa 80 Prozent ihrer Wähler stehen immer noch zu Trump, sehr viele glauben, dass Biden kein rechtmäßiger Präsident ist. Trumps enorme Popularität könnte helfen, die Zwischenwahlen 2022 zu gewinnen und die Mehrheit im Kongress zurückzuholen. Und das ist Moment das einzige, was für sie zählt.

Der Wechsel an der Fraktionsspitze war also mehr als eine Personalie, er war eine Richtungsentscheidung. Und die Richtung der Republikaner heißt Trump.

Dieser Beitrag lief am 15. Mai 2021 um 12:37 Uhr im Deutschlandfunk.

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